{"id":26229,"date":"2015-06-04T18:25:21","date_gmt":"2015-06-04T17:25:21","guid":{"rendered":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/?p=26229"},"modified":"2025-10-17T06:51:33","modified_gmt":"2025-10-17T05:51:33","slug":"archive-5098","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/archive-5098\/","title":{"rendered":"Archive 5098"},"content":{"rendered":"<p>Betreff: Indogermanische Vorgeschichte im Schwarzmeer-Gebiet\/Herkunft der<br \/>\nBandkeramiker in Westeuropa ab 5.600 v. Chr. aus dem Donau-Delta<\/p>\n<p>Ab 12.500 v. Chr. (im Azilien, der letzten mesolithischen Kulturstufe) wird<br \/>\nes in Europa rasch w\u00e4rmer und feuchter. Die Gletscher von Skandinavien und<br \/>\nden Alpen ziehen sich zur\u00fcck und gigantische Wassermassen werden vom Eis<br \/>\nentbunden, so dass neue Flusssysteme, Nebenmeere wie die Nord- und Ostsee<br \/>\nsowie Binnenseen wie der Genfer und der Bodensee entstehen und die Ozeane<br \/>\nm\u00e4chtig anschwellen: insgesamt um die 120 m in Sch\u00fcben bis etwa 5.500 v.<br \/>\nChr. &#8211; und einem gro\u00dfen Atlantik-Nachschub vom Kanadischen Schild zwei<br \/>\nJahrtausende sp\u00e4ter.<br \/>\nAb 10.200 v. Chr. (im Natufien, dem fr\u00fchesten \u00dcbergang zur neolithischen<br \/>\nKulturstufe in Pal\u00e4stina) siedeln J\u00e4ger und Sammler als Fischer ortsfest an<br \/>\nbevorzugten Fischgr\u00fcnden in S\u00fcdosteuropa, z.B. dem Donau-Delta, aber auch in<br \/>\nden Regionen Anatolien\/Roter und Gr\u00fcner Flu\u00df: Kizil und Yesil Irmak zum<br \/>\nSchwarzen Meer; Mesopotamien\/Euphrat und Tigris damals noch bis zum Golf von<br \/>\nOman, weil das Urstromtal im Persischen Golf noch nicht vom ansteigenden<br \/>\nIndischen Ozean geflutet war; Pal\u00e4stina\/Jordangraben damals noch zum Golf<br \/>\nvon Akaba im Roten Meer, weil der Jordan sich noch nicht versiegend im Toten<br \/>\nSalzmeer ersch\u00f6pfte.<\/p>\n<p>Der zun\u00e4chst auch in Vorderasien auftretende Wasser\u00fcberschuss in Anatolien,<br \/>\nMesopotamien und Pal\u00e4stina r\u00fchrte her vom Abschmelzen des Ararat-Massivs<br \/>\nsowie des Zagros-Gebirges.<\/p>\n<p>Das damalige Schwarze Meer als Binnengew\u00e4sser &#8211; mit seiner Tiefe im<br \/>\nZentralbecken bis zu 2.245 m Tiefe noch als \u00dcberrest des Urmeeres Tethys<br \/>\nzwischen Gondwana und Laurasia erkennbar &#8211; (auf der Grenze zwischen Europa<br \/>\nund Vorderasien) erfuhr in seiner Senke einen erheblichen Anstieg durch die<br \/>\nSchmelzwasser von Europa im Westen (Donau) und Norden (Dnjepr und Don), vom<br \/>\nKaukasus im Osten (Kuban vom Elbrus) und ebenfalls vom Ostanatolischen<br \/>\nGebirgsmassiv (Kizil Irmak), so dass es \u00fcber den Bosporus in das Marmarameer<br \/>\n\u00fcberlief, weil der Anstieg des Weltmeeres langsamer vonstatten ging. Das<br \/>\nUrstromtal des Bosporus stammt aus dieser postglazialen Zeit des<br \/>\nBinnengew\u00e4sser- bzw. S\u00fc\u00dfwasser-\u00dcberschusses; um 5.600 v. Chr. wurde das<br \/>\nSchwarze Meer, als es wegen des erfolgten Abschmelzens der Gletscher und<br \/>\nEisschilde um die H\u00e4lfte in der Fl\u00e4che und um 100 m Wasserstand geschrumpft<br \/>\nwar, in umgekehrter Richtung mit Salzwasser aus dem Mittelmeer \u00fcberschwemmt.<\/p>\n<p>In sicherer H\u00f6he auf den neu geformten Uferterrassen, K\u00fcsten und Str\u00e4nden<br \/>\nmit den besten Fanggebieten errichten J\u00e4ger und Sammler in Vorderasien und<br \/>\nS\u00fcdosteuropa erste H\u00fctten aus Sumpfgras, H\u00e4uten, Knochen und Holz, um sich<br \/>\neine feste Existenzgrundlage am und im Wasser zu verschaffen, die durch<br \/>\nJagdgl\u00fcck und Sammelflei\u00df in der Umgebung zu Lande je nach der Jahreszeit<br \/>\nerg\u00e4nzt wird. Auf diese Weise wird die Ern\u00e4hrung mit Proteinen, Vitaminen<br \/>\nund unges\u00e4ttigten Fetts\u00e4uren angereichert, so dass sich die Lebenserwartung,<br \/>\nder Gesundheitszustand und die Leistungsf\u00e4higkeit dieser Fischer-Wildbeuter<br \/>\nverbessern.<br \/>\nEntgegen der herrschenden Lehre haben nicht neolithische Bauern die<br \/>\nSesshaftigkeit f\u00fcr sich entdeckt, sondern fr\u00fcher schon mesolithische J\u00e4ger<br \/>\nund Sammler beim Fischfang: Die feste Ansiedlung ist nicht das Ergebnis,<br \/>\nsondern die Ursache f\u00fcr die Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht, die dann<br \/>\nin der Folge die Neuansiedlungen auf den besten Schwemmsand-, L\u00f6\u00df-, B\u00f6rde-,<br \/>\nSchwarzerde- und Marschenb\u00f6den veranlasst. Die Bev\u00f6lkerung nahm zu, bevor es<br \/>\nzur vollen Ausbildung der Landwirtschaft kam, nicht deswegen.<br \/>\nFischerd\u00f6rfer sind \u00e4lter als Bauernd\u00f6rfer, wie man an den auch um 5.600 v.<br \/>\nChr. im Persischen Golf 25 m tief versunkenen Ufern von Euphrat und Tigris<br \/>\nauf 1.000 km L\u00e4nge festgestellt hat, im Donaudelta und auch an den<br \/>\nversunkenen europ\u00e4ischen Rhein-, Themse-, Ems-, Weser- und Elbem\u00fcndungen<br \/>\nrund um die Doggerbank in der Nordsee.<br \/>\nDie Natufien-Kultur Pal\u00e4stinas im 9. Jt. v. Chr. hat ihre Spuren als<br \/>\nFischer-Gesellschaft hinterlassen in H\u00f6hlen und Felsnischen, z. B. im<br \/>\nKarmel, sowie in Siedlungen wie Jericho (im Jordangraben n\u00f6rdlich vom Toten<br \/>\nMeer)und Beidha (im Wadi Rum n\u00f6rdlich von Petra), von Syrien bis in die<br \/>\nNil-Fluss-Oase von \u00c4gypten. Kennzeichnend sind Werkzeuge aus Mikrolithen,<br \/>\ndarunter in Knochen gesch\u00e4ftete Sichelmesser zum Ernten von Wildgetreide.<br \/>\nHauptgrundlage der Ern\u00e4hrung im Natufien waren prim\u00e4r der Fischfang und dann<br \/>\ndie Jagd!<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es weiterhin die nomadisierenden J\u00e4ger und Sammler, die<br \/>\nWildbeuter ohne regelm\u00e4\u00dfigen Fischfang, insbesondere in Ost- und Nordeuropa,<br \/>\ndie den jahreszeitlichen Herdenz\u00fcgen z. B. von Rentieren folgen oder in den<br \/>\nimmer dichteren W\u00e4ldern ihre Beute suchen.<\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel daf\u00fcr, dass Fischerd\u00f6rfer, begr\u00fcndet von Wildbeutern, zu<br \/>\nWohlstand kamen, ist am Jordan die &#8220;\u00e4lteste Stadt der Welt&#8221; Jericho in der<br \/>\nArava-Senke des Toten Meeres &#8211; mit der Quelle am Tell es-Sultan. Besiedelt<br \/>\num 9.500 v. Chr., wurde 8.300 v. Chr. eine 6 m hohe Steinmauer erbaut und<br \/>\n8.000 v. Chr. der erste Steinturm und die erste steinerne Treppe. 7.700 v.<br \/>\nChr. wurde die Stadt jedoch einfach aufgegeben. Der Jordan, der<br \/>\ntiefstgelegene Fluss der Erde mit seinem kleinen Einzugsgebiet im Libanon,<br \/>\nwar sicherlch lange vor den anderen Gew\u00e4sser-Systemen von der Austrocknung<br \/>\nbetroffen, die der gro\u00dfen Eisschmelze mit ihrer Frischwasser-Schwemme im<br \/>\nNahen Osten folgte. Alle anderen Gew\u00e4ssersysteme konnten ja j\u00e4hrlich<br \/>\nweiterhin von der Schneeschmelze im Fr\u00fchling in ihren Quellgebirgen (der<br \/>\nBlaue Nil in Nordost-Afrika stattdessen vom Sommermonsun im \u00c4thiopischen<br \/>\nHochland) profitieren. Nur der Jordan durfte wegen seines beschr\u00e4nkten und<br \/>\nschon fr\u00fch eisfreien Quellgebietes Libanon nicht mehr kraftvoll zum Roten<br \/>\nMeer abflie\u00dfen, sondern endete bei Jericho ersch\u00f6pft im (noch nicht) &#8220;Toten<br \/>\nMeer&#8221;, das zu einem unwirtlichen Salzsee mutierte, in einer fast 400 m<br \/>\ntiefen Senke. Mit dem Fischreichtum und den Jagd- und Sammelgr\u00fcnden am<br \/>\nJordan und seinem urspr\u00fcnglich sehr &#8220;lebendigen S\u00fc\u00dfwassersee&#8221; war es vorbei.<br \/>\nDie Landwirtschaft war noch nicht in Bl\u00fcte, das Herausz\u00fcchten ertragreicher<br \/>\nSorten gelang aber nicht, weil dort im Gegensatz zur Anatolischen Hochebene<br \/>\nkeine geeigneten Sorten wuchsen. Auch an z\u00e4hmbaren Wildtieren in gro\u00dfer Zahl<br \/>\nzur Domestikation herrschte hier Mangel &#8211; im Gegensatz zur Gebirgswelt in<br \/>\nder Nachbarschaft des Hochland-Beckens von Anatolien in 1.000 m H\u00f6he an den<br \/>\nTaurus- und Antitaurus-H\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Erst in der Neubesiedlung Jerichos mit Lehmziegelbauten 7.220 bis 6.400 v.<br \/>\nChr. k\u00f6nnen Emmer, Gerste und H\u00fclsenfr\u00fcchte sowie Schafe nachgewiesen<br \/>\nwerden, die aber wohl durch die Kilikische Pforte aus Anatolien importiert<br \/>\nsind; Jericho existiert als Oasenstadt an der En es-Sultan-Quelle noch bis<br \/>\n5.500 v. Chr., wohl weil dann die Trockenheit und Versalzung der B\u00f6den und<br \/>\nGew\u00e4sser in der Jordan-Senke endg\u00fcltig \u00fcberhand nehmen.<br \/>\nDie Ain Ghazal-Siedlung weiter s\u00fcdlich auf jordanischem Boden von 7.300 v.<br \/>\nChr. wird 5.000 v. Chr. verlassen, wohl ebenfalls wegen der Trockenheit im<br \/>\nWadi Arab, die die Fortf\u00fchrung von Landwirtschaft nicht erlaubt.<br \/>\nBeidha (n\u00f6rdlich von Petra in Jordanien)wird offensichtlich im 11. Jt. v.<br \/>\nChr. (Natufien, Vorkeramische Neolithikum B: PPNB) wegen des noch reichlich<br \/>\ndurch das Urstromtal (Jordangraben) zum Golf von Akaba str\u00f6menden frischen<br \/>\nSchmelzwassers vom Libanon gegr\u00fcndet. Die Bewohner sind nach dem Fundausweis<br \/>\nJ\u00e4ger, die sich dem Flussfischfang aus dem Jordan zuwenden und 7.200 bis<br \/>\n6.500 v. Chr. ein Niveau erreichen, dass sie Steinbauten errichten,<br \/>\nWassergr\u00e4ben durch Fels schlagen, Gerste und Emmer kultivieren und Ziegen<br \/>\nz\u00e4hmen k\u00f6nnen. Sie beziehen Flint und Obsidian aus Anatolien, Seefisch aus<br \/>\ndem Golf von Akaba und auch Perlmutter aus dem Roten Meer &#8211; damals noch per<br \/>\nBoot auf dem Fluss, der das Wadi Araba f\u00fcllt und in den Golf von Akaba<br \/>\nm\u00fcndet. Obwohl sie 6.650 v. Chr. einem Gro\u00dfbrand zum Opfer fallen und ihre<br \/>\nSiedlung wieder aufbauen, geben sie diese 150 Jahre sp\u00e4ter 6.500 v. Chr.<br \/>\ndoch auf. Der Jordan kam nicht mehr \u00fcber das Tote Meer hinaus, die W\u00fcste<br \/>\neroberte die Flusst\u00e4ler von Wadi Rum und Wadi Araba.<br \/>\nDie m\u00e4chtigen europ\u00e4ischen und vorderasiatischen Str\u00f6me wie Rhein, Elbe,<br \/>\nOder, Weichsel, Donau, Don, Kizil, Yesil, Euphrat, Tigris, Jordan und auch<br \/>\nder afrikanische Nil werden im Natufien zu den bevorzugten Kommunikations-<br \/>\nund Transportwegen (z. B. f\u00fcr Flint- und Bernstein, f\u00fcr anatolischen<br \/>\nObsidian, Bergkristall und Spondylus-Muscheln sowie Trockenfisch aus dem<br \/>\nMittel- und dem Roten Meer sowie dem Indischen Ozean). Erstmals finden sich<br \/>\nEinb\u00e4ume (z. B. ausgeh\u00f6hlte Kiefernst\u00e4mme) und Paddel (z. B. aus<br \/>\nLindenholz). Auch Fl\u00f6\u00dfe aus verbundenen Baumst\u00e4mmen und Weiden, Boote aus<br \/>\nTierh\u00e4uten, auf ein Ger\u00fcst aus Spanten gezogen, werden gebaut. Diese<br \/>\n&#8220;Wasserfahrzeuge&#8221; aus der Mittelsteinzeit erm\u00f6glichen es den Menschen schon,<br \/>\ngro\u00dfe Lasten \u00fcber weite Entfernungen zu transportieren und selbst entlegene<br \/>\nInseln und K\u00fcsten zu erreichen. Um 7.000 v. Chr. fahren sie auf Leder- und<br \/>\nPlanken-Booten \u00fcber das \u00c4g\u00e4ische- und das Schwarze Meer sowie den Golf von<br \/>\nAkaba und den Golf von Oman vor der damaligen M\u00fcndung von Euphrat-Tigris.<br \/>\nMan k\u00f6nnte in Europa und im Nahen Osten im 11. bis 8. Jt. geradezu von einem<br \/>\n&#8220;aquatischen&#8221; Zeitabschnitt sprechen, um der pr\u00e4-borealen Phase des<br \/>\nAlt-Holoz\u00e4n einen pr\u00e4gnanten Namen zu geben. Zu dieser Zeit existieren<br \/>\nSeenplatten, Fl\u00fcsse und Marschlandschaften, die heute auf der Karte nicht<br \/>\nmehr sichtbar sind; und die Str\u00f6me sowie die Binnenseen sind in der Phase<br \/>\nviel m\u00e4chtiger und h\u00e4ufig miteinander verbunden, wie man sie heute nicht<br \/>\nmehr kennt. Diese Nasszeit l\u00e4sst viele nomadisierende Wildbeuter an Seen und<br \/>\nFl\u00fcssen in Fischerd\u00f6rfern sesshaft werden &#8211; bei gleichzeitiger<br \/>\nAufrechterhaltung des Jagd- und Sammeleifers.<\/p>\n<p>Das Schwarze Meer stand nicht nur \u00fcber Don und Wolga in Verbindung mit dem<br \/>\nKaspischen Meer im Osten, sondern auch \u00fcber das noch nicht zerrissene<br \/>\nFlusssystem Dnjepr-Weichsel mit der Ostsee-Eisschmelze im Norden, vernetzt<br \/>\ndurch die ukrainischen Pripjet-Marschen, die eine gewaltige Seen-Landschaft<br \/>\nbildeten, und \u00fcber die Donau (mit dem damals ausladenden Neusiedler See).<br \/>\nDie Donau floss vom Schwarzwald in den seinerzeit viel gr\u00f6\u00dferen Bodensee und<br \/>\ndann nach Osten ab, so wie der Rhein von den Schweizerischen Alpen durch den<br \/>\nBodensee nach Norden. Die M\u00fcndung des Rheins war an der Doggerbank in der<br \/>\nNordsee. Das gewaltige M\u00fcndungsdelta der Donau lag 200 km weiter \u00f6stlich von<br \/>\nder heutigen Westk\u00fcste des Schwarzen Meeres vor der Krim, vorher gespeist<br \/>\ndurch die jetzt einzeln von Norden einm\u00fcndenden Dnjestr, Bug und Dnjepr, wie<br \/>\nes sich heute noch am Boden im Schwarzen Meer abzeichnet. (Statt einen<br \/>\ngro\u00dfen Bogen nach Norden auf rum\u00e4nisches Gebiet zu beschreiben, ging der<br \/>\nHauptstrom direkt \u00fcber das bulgarische Constantza weiter nach Osten zur<br \/>\ndamaligen Schwarzmeerk\u00fcste. Der direkte Verlauf des Ister, wie die Donau bei<br \/>\nden Griechen genannt wurde, wird heute durch den dortigen Kanal f\u00fcr die<br \/>\nSchifffahrt ersetzt). Auf der anderen Seite der Krim bildete die heutige<br \/>\nStra\u00dfe von Kertsch die Don-Donez-Kuban-M\u00fcndung. Das vom Kizil in einer<br \/>\ngro\u00dfen Schleife durchzogene fruchtbare zentralanatolische Hochlandbecken,<br \/>\ndas heute Steppe ist, erhielt reichlich Wasser aus dem ostanatolischen<br \/>\nGebirge; der heutige Salzsee Tuz G\u00f6l\u00fc (33 % Salzgehalt, 50 cm tief) mit<br \/>\ngerade noch 1.500 qkm Fl\u00e4che bedeckte als S\u00fc\u00dfwasser-Reservoir etwa 40.000<br \/>\nqkm in 1.000 m H\u00f6he. In der Antike war er als Lacus Tata, als &#8220;nahrhafter<br \/>\nSee&#8221; bekannt.<\/p>\n<p>In dieser &#8220;\u00dcberflu\u00df-Zeit&#8221; der Binnengew\u00e4sser bis zum 8. Jt. liegen die<br \/>\nSchelfg\u00fcrtel der Ozeane und Nebenmeere, wie wir sie heute kennen, noch<br \/>\nweitgehend trocken, weil der Weltmeeres-Anstieg langsamer in Gang kommt;<br \/>\nzahllose Landbr\u00fccken (z.B. zwischen Gro\u00dfbritannien und dem Kontinent bis zum<br \/>\nKanal-Durchbruch um 5.600 v. Chr. bei Dover und Calais) und Buchten (z.B.<br \/>\ndas Elbe-Weser-Ems-Delta bis zur Flutung der Deutschen Bucht um 6.500 v.<br \/>\nChr., aus der nur der Buntsandsteinfelsen Helgoland noch herausragt) sind<br \/>\nvom Weltmeer noch nicht \u00fcberflutet; viel Wasser ist noch an den Polkappen<br \/>\nund an Land in Binnenseen und S\u00fcmpfen gebunden. Und der Laurentische Schild<br \/>\nvon Kanada hat seine Wassermassen erst viel sp\u00e4ter schlagartig in den<br \/>\nAtlantik entlassen. Diese Zusammenh\u00e4nge haben bisher kaum Eingang in<br \/>\nHistorische Atlaswerke gefunden, und wenn, dann nur sehr ungenau. Der Times<br \/>\nAtlas der Weltgeschichte bietet nur eine Karte (1, S. 37, Die Welt vor<br \/>\n20.000 Jahren) der Eiszeit (aber nicht der Nacheiszeit), in der ganz richtig<br \/>\nder \u00c4rmelkanal (5.600 v. Chr. von der Nordsee zum Atlantik \u00fcberschwemmt),<br \/>\nder Persisch-Arabische Golf bzw. das &#8220;Gr\u00fcne Meer&#8221; (um 5.600 v. Chr. vom Golf<br \/>\nvon Oman durch die Stra\u00dfe von Hormuz geflutet) und das &#8220;Schwarze Meer&#8221;<br \/>\n(S\u00fc\u00dfwassersee, um 5.600 v. Chr. vom Marmara-Meer durch den Bosporus mit<br \/>\nSalzwasser auf Weltmeeres-H\u00f6he wieder angef\u00fcllt) ganz oder teilweise trocken<br \/>\nliegen; jedoch wird nicht ber\u00fccksichtigt, dass auch der Westen des Schwarzen<br \/>\nMeeres Landfl\u00e4che war, gepr\u00e4gt vom damaligen Donau-Delta: wegen des v\u00f6llig<br \/>\nebenen Meerbodens im gesamten nord-westlichen Schelfgebiet (mit einer heute<br \/>\ngleichm\u00e4\u00dfigen Wassertiefe von 70 bis 100 m.<br \/>\nGenau wie das Schwarze Meer ist auch das Marmara-Meer (gr. Propontis) nach<br \/>\nder Eiszeit zun\u00e4chst ein abflussloser S\u00fc\u00dfwasser-Trog beachtlicher Tiefe<br \/>\n(1.355 m), das von den Fl\u00fcssen Biga, G\u00f6nen, Simav und Nil\u00fcver aus den<br \/>\ns\u00fcdlichen Bergen gespeist wird. Wie beim Schwarzen und dem Mittelmeer<br \/>\nhandelt es sich um einen kleinen Rest des Urmeeres Tethys. Das Meer liegt<br \/>\nexakt auf der nordanatolischen Verwerfung, die auch durch die Dardanellen<br \/>\nf\u00fchrt, und ist somit Schauplatz von Erdbeben und Tsunamis. (Salz\u00e4rmeres<br \/>\nWasser flie\u00dft heute in der Oberfl\u00e4chenstr\u00f6mung NO-SW des Marmara Meeres vom<br \/>\nSchwarzen Meer durch den Bosporus und die Dardanellen ins Mittelmeer;<br \/>\nentgegen verl\u00e4uft der salzreichere Tiefenstrom vom Mittelmeer ins Schwarze<br \/>\nMeer; per Saldo ist der Salzwasserzufluss kleiner als der S\u00fc\u00dfwasserabfluss,<br \/>\nweil im Schwarzen Meer nicht soviel Oberfl\u00e4chenwasser verdunstet wie die<br \/>\ngro\u00dfen Stromsysteme heranf\u00fchren).<br \/>\nDas Marmara-Meer hat mit Thrakien eine europ\u00e4ische Nord- und mit Anatolien<br \/>\neine (klein)asiatische S\u00fcdk\u00fcste; seinen Namen verdankt es dem Marmor auf den<br \/>\nInseln. Wie beim \u00c4rmelkanal, dem Persischen Golf, dem Bosporus, dem<br \/>\nSchwarzen Meer u. a. Buchten, Meeresstra\u00dfen und Nebenmeeren wurde fr\u00fcher in<br \/>\nder Literatur einheitlich ein Flutungsdatum 11.000 v. Chr.: also einheitlich<br \/>\neineinhalb Jahrtausende nach dem Beginn der gro\u00dfen Eisschmelze. Inzwischen<br \/>\nwei\u00df man, dass der Wasserspiegel der Ozeane langsamer und in Sch\u00fcben stieg,<br \/>\nbis er um 120 m zugenommen hatte. Geologen und Ozeanographen sind dabei, nun<br \/>\nstatt eines viel zu fr\u00fchen Einheitsdatums differenzierte Festlegungen zu<br \/>\ntreffen. Da die Dardanellen mit ihrer Durchlasstiefe von 50 m die<br \/>\nEngpasstiefe des Bosporus um 20 m \u00fcbertreffen (und die des Persischen Golfs<br \/>\num 25 m), k\u00f6nnen wir wegen des eustatischen Meeresspiegels davon ausgehen,<br \/>\ndass die Flutereignisse nahe beieinanderliegen und dass logischerweise das<br \/>\nMarmara-Meer vor dem Schwarzen Meer geflutet wurde, aber nicht sehr lange<br \/>\nvorher. Wenn also der Bosporus um 5.600 v. Chr. an der Reihe war, dann eben<br \/>\ndie Dardanellen einige Jahrhunderte eher, aber nicht Jahrtausende.<\/p>\n<p>&#8220;Landfahrzeuge&#8221; mit R\u00e4dern und Zugtieren gibt es in der gesamten Nasszeit<br \/>\nnoch nicht, nur von Wildbeutern und Sammlern gezogene Schleppen (Schleifen,<br \/>\nRutschen, Rollen) zum Transport der Beute sowie Tragk\u00f6rbe und Kiepen aus<br \/>\nWeide\/Bast oder Leder\/Haut, um die gesammelten N\u00fcsse, Wurzeln, Beeren&#8230;<br \/>\nsowie Kleingetier aus dem Wasser und vom Land nach Hause zu bringen. Erst<br \/>\nmit der Versteppung weiter Landstriche in Osteuropa und Vorderasien und dem<br \/>\nTrockenfallen vieler Gew\u00e4sser entsteht der Bedarf an Last-, Zug- und<br \/>\nReittieren, die dann dort auch zuerst ab 4.000 v. Chr. gez\u00fcchtet und<br \/>\nverbreitet wurden.<\/p>\n<p>Schon in der Eiszeit halten die J\u00e4ger Hunde als W\u00e4chter, Verteidiger und<br \/>\nJagdhelfer, die sie sp\u00e4testens 30.000 v. Chr., nach neuesten Erkenntnissen<br \/>\nschon vor \u00fcber 40.000 Jahren in Russland durch die Domestikation des Wolfes<br \/>\ngez\u00fcchtet und zur Kommunikation mit den Menschen erzogen haben. Diese<br \/>\nfr\u00fcheste Z\u00e4hmung eines Nutztieres ist die Leistung von schweifenden J\u00e4gern<br \/>\nund nicht von Siedlern; sie dient nicht der Ern\u00e4hrung (nur in gro\u00dfer Not),<br \/>\nsondern zur Verteidigung gegen feindliche Menschen und wilde Tiere sowie zur<br \/>\nVerbesserung der Jagdergebnisse. Hunde k\u00f6nnen besser sehen, h\u00f6ren und<br \/>\nwittern als Menschen und so drohende Angreifer verbellen; ihre K\u00f6rper k\u00f6nnen<br \/>\nin kalten N\u00e4chten W\u00e4rme spenden; sie sind schneller und bissiger, k\u00f6nnen<br \/>\nWild aufschrecken und (in Fallen) treiben; sie k\u00f6nnen als Kampfhunde scharf<br \/>\ngemacht werden als gnadenlose Angreifer gegen Menschen und Raubtiere (z. B.<br \/>\nB\u00e4ren). In Gr\u00e4bern hat man Herren zusammen mit ihren Hunden gefunden. Die<br \/>\nerfolgreiche Domestikation des Wolfs-Hundes mag sp\u00e4ter eine Anregung f\u00fcr die<br \/>\nZ\u00fcchtung von Nutzvieh sein.<br \/>\nJ\u00e4ger, Fischer und Sammler praktizieren die &#8220;aneignende&#8221; Wirtschaftsweise;<br \/>\nihre Hilfsmittel (Reusen, Angeln, Netze, Fasern, Bast, Kleber&#8230;) und<br \/>\nWerkzeuge (aus Stein, Obsidian, Horn, Bein, Holz&#8230;) dienen der qualitativen<br \/>\nund quantitativen Steigerung der Naturausbeute, nicht landwirtschaftlicher<br \/>\nProduktion.<\/p>\n<p>Im anatolischen Westbogen des Fruchtbaren Halbmondes experimentieren im<br \/>\nNatufien ab 10.200 v. Chr. die ersten Ackerbauern mit der planm\u00e4\u00dfigen<br \/>\nVeredelung (Genkonditionierung) von Wildgetreide in den Flu\u00dfoasen von Kizil,<br \/>\nYesil und Sakarya und an den Ufern des Tuz-Sees: des heutigen Tuz<br \/>\nG\u00f6l\u00fc-Salzsees inmitten versteppten Bodens. Dieser liegt im Inlandsbecken<br \/>\nzwischen Ankara, Konya\/Ikonion und Aksaray und ist nach der Fl\u00e4che der<br \/>\nzweitgr\u00f6\u00dfte See der T\u00fcrkei nach dem Van-See des Ostanatolischen<br \/>\nHochgebirges. In der postglazialen Nasszeit erstreckt sich der See bis \u00fcber<br \/>\nKonya hinaus, so da\u00df Catal H\u00f6y\u00fck (7.400 &#8211; 6.500 v. Chr.) an seinem S\u00fcdufer<br \/>\nliegt, was heute kaum noch vorstellbar erscheint, wenn man die Karte der<br \/>\nT\u00fcrkei betrachtet.<\/p>\n<p>Es sind die anatolischen J\u00e4ger-Fischer-Sammler am Kizil Irmak und dem von<br \/>\ndiesem durchflossenen Tuz G\u00f6l\u00fc, die zuerst Erfolg damit haben, in der damals<br \/>\nbl\u00fchenden Umgebung ihrer H\u00fctten nicht nur K\u00f6rner, N\u00fcsse, Beeren, Oliven und<br \/>\nDatteln weitr\u00e4umig zu sammeln, sondern deren Fruchttr\u00e4ger auch konzentriert<br \/>\nin der N\u00e4he ihrer Fischerd\u00f6rfer anzusiedeln und diese auf Ertrag zu z\u00fcchten.<br \/>\nDer vom &#8220;Roten Fluss&#8221; aus dem Armenischen Gebirgsmassiv herangeschwemmte<br \/>\nSedimentboden ist sehr fruchtbar. (Von dort flie\u00dfen ja auch Euphrat und<br \/>\nTigris mit ihrer kostbaren Fracht s\u00fcdw\u00e4rts nach Mesopotamien zum Indischen<br \/>\nOzean ab). Das alluviale Schwemmland in der Anatolischen Hochlandsteppe, in<br \/>\nder Insellage des Binnenbeckens zwischen Pontischem und Taurus-Gebirge,<br \/>\neignet sich auch heute hervorragend zum Anbau anspruchsvoller Fr\u00fcchte wie<br \/>\nZuckerr\u00fcben und Getreide, wenn es bew\u00e4ssert werden kann, aber nicht im<br \/>\nTuz-Gebiet, weil der Boden mit der Austrocknung Salz angereichert hat;<br \/>\ndamals gab es zun\u00e4chst Wasser im \u00dcberfluss, heute f\u00e4llt der Tuz G\u00f6l\u00fc im<br \/>\nSommer trocken und sein Salz wird im Tagebau industriell gewonnen. Der<br \/>\n\u00fcberwiegende Teil des t\u00fcrkischen Bedarfs wird auf diese Weise gedeckt.<br \/>\nDer Kizil Irmak (Roter Fluss), im Altertum Halys (Salziger Fluss), der<br \/>\ngr\u00f6\u00dfte Fluss Inneranatoliens durchflie\u00dft in gro\u00dfem Bogen Zentralanatolien,<br \/>\ndurchbricht das n\u00f6rdliche Pontische Gebirge in der Paphlagonischen Pforte<br \/>\nund m\u00fcndet bei Bafra mit gro\u00dfem Delta ins Schwarze Meer. Die rote Farbe wird<br \/>\ndurch den im Flusswasser gel\u00f6sten eisenhaltigen Ton unter den Sedimenten aus<br \/>\ndem Gebirgsmassiv hervorgerufen. (Der gr.-ig. Name Halys kehrt auch in<br \/>\nDeutschland in vielen ig. Fluss- und Ortsnamen wie Saale, Sulze und Salze,<br \/>\nHalle und Hallein wieder).<br \/>\nNirgends sonst im Fruchtbaren Halbmond finden sich seinerzeit so viele zur<br \/>\nZucht geeignete Wildgr\u00e4ser wie in dieser damals wasserreichen Hochebene rund<br \/>\num den Tuz See, der vom &#8220;Roten Flu\u00df&#8221; durchquert und mit Frischwasser aus den<br \/>\nBergen versorgt wird. Durch den sedimentreichen Strom aus dem Ararat-Massiv<br \/>\nwird mit dem Schmelzen des Armenischen Eisschildes und danach mit der<br \/>\nj\u00e4hrlichen Schneeschmelze diese Flussoase regelm\u00e4\u00dfig mit Mineralien<br \/>\nversorgt, so wie auch Mesopotamien durch die Fl\u00fcsse Euphrat und Tigris und<br \/>\ndie Arava-Senke von Pal\u00e4stina (parallel zum Wadi Rum) durch den Jordan aus<br \/>\ndem Libanon. Der einst m\u00e4chtige Jordan, der die fr\u00fchesten Ufersiedlungen<br \/>\nhervorbrachte, ist auch das erste Opfer der einsetzenden<br \/>\nFrischwasser-Knappheit nach der Eisschmelze und der anschlie\u00dfenden<br \/>\nTrockenzeit in Vorderasien. Diese warme Trockenzeit kommt in Westeuropa<br \/>\nnicht zum Zuge: Hier bleibt es (auch nach der endg\u00fcltigen skandinavischen<br \/>\nEisschmelze erst um 5.000 v. Chr.) wegen des Atlantik-Einflusses bei dem<br \/>\nfeucht-kalten Klima mit anhaltendem \u00dcberschuss der Niederschlagsmengen<br \/>\ngegen\u00fcber der Verdunstung.<\/p>\n<p>Auch anderswo im Fruchtbaren Halbmond wurde mit Wildgr\u00e4sern und Wildtieren<br \/>\neine bessere Ausbeute versucht, aber nirgends wurde mit soviel Zuchterfolg<br \/>\nexperimentiert, so dass sich die zentralanatolischen Sorten \u00fcberall in der<br \/>\nLandwirtschaft durchsetzten. Die &#8220;Neolithische Revolution&#8221; begann an Kizil<br \/>\nund Tuz im Hochland von Anatolien, an den H\u00e4ngen von Taurus (bis 3.585 m)<br \/>\nund Antitaurus (bis 3.917 m); so ist zusammenfassend der<br \/>\narch\u00e4ologisch-genetische Befund.<br \/>\nVon dort fanden die anatolischen Errungenschaften sp\u00e4ter ihren Weg durch die<br \/>\nKilikische Pforte und die Kilikische Ebene nach Pal\u00e4stina und \u00c4gypten sowie<br \/>\nnach Mesopotamien im S\u00fcdosten, sowie durch die Paphlagonische Pforte \u00fcber<br \/>\ndas Kizil-Delta an die Flussm\u00fcndungen des Schwarzen Meeres nach Europa im<br \/>\nNordwesten. &#8211; Denn alle zeitgleich konkurrierenden Experimente im<br \/>\nJordangraben, an Euphrat und Tigris, im Nil-Delta sowie im<br \/>\nDonau-Dnjepr-Bogen waren weniger erfolgreich, weil die Diversit\u00e4t von Flora<br \/>\nund Fauna weit hinter Kizil und Tuz zur\u00fcckblieb. &#8211; Dagegen sollte sp\u00e4ter in<br \/>\nden Niederungen der Fluss-Auen und Strom-M\u00fcndungen von Asien \u00fcber Afrika bis<br \/>\nEuropa die Bew\u00e4sserungskultur gelingen, die in den Hochlagen von Euphrat und<br \/>\nTigris sowie Kizil und Tuz misslang &#8211; wie auch in der \u00fcber 300 m tiefen<br \/>\nJordan-Senke.<br \/>\nBeg\u00fcnstigt wurde die Zentralanatolische Ebene durch die &#8220;H\u00f6henstrahlung&#8221;,<br \/>\ndie (wie im Altiplano in den Anden um den Titicaca-See) den Artenreichtum<br \/>\n\u00fcber Millionen Jahre durch besonders h\u00e4ufige Gen-Mutationen f\u00f6rderte. Die<br \/>\nErde ist st\u00e4ndig einem Strom von hochenergetischen atomaren Teilchen<br \/>\nausgesetzt, die aus den Tiefen des Kosmos und von der Sonne stammen und mit<br \/>\nden Bestandteilen der Atmosph\u00e4re kollidieren, wobei sie neue atomare<br \/>\nTeilchen mit hoher Energie (Gamma-Strahlung) erzeugen. Die Gesamtheit dieser<br \/>\nTeilchen bildet die sog. H\u00f6henstrahlung. Die kosmische Strahlung besteht aus<br \/>\n87 % Protonen, 12 % Alpha-Teilchen und rund 1 % schweren Atomkernen. Beim<br \/>\nEintritt in die Erdatmosph\u00e4re sto\u00dfen diese Partikel mit Sauerstoff- und<br \/>\nStickstoff-Atomen zusammen, wodurch weitere energiereiche Teilchen erzeugt<br \/>\nwerden &#8211; unter anderem die &#8220;biologisch sehr wirksame Neutronenstrahlung&#8221;.<br \/>\nAuf ihrem Weg zur Erde wird diese Strahlung mit zunehmender Dichte der<br \/>\nAtmosph\u00e4re schw\u00e4cher, so dass sich die Sch\u00e4den f\u00fcr die Menschen (auf<br \/>\nMeeresh\u00f6he) in Grenzen halten. Auch das Magnetfeld lenkt einen Teil der<br \/>\nkosmischen Strahlung von der Erde ab. Diese Ablenkung wird mit der<br \/>\nEntfernung vom \u00c4quator immer geringer; die Strahlung ist unter diesem Aspekt<br \/>\nin der Anatolischen Hochebene weniger abgeschw\u00e4cht als im Altiplano. Dazu<br \/>\ntritt die UV-Strahlung, der energiereiche Teil der optischen Strahlung. Die<br \/>\njeweilige &#8220;Umgebungs-Dosis&#8221; der Neutronenstrahlung ist in den fruchtbaren<br \/>\nHochebenen und an den Bergketten viel h\u00f6her als in den<br \/>\nSchwemmland-Niederungen und Oasen.<br \/>\nMit zunehmender H\u00f6he nimmt die Strahlung zu, ist insofern im Altiplano<br \/>\nst\u00e4rker. Und die UV-Strahlung des Sonnenlichts wird reflektiert &#8211; von<br \/>\nWasserspiegeln und Sandstr\u00e4nden. Dadurch wird die Strahlungsdosis f\u00fcr Flora<br \/>\nund Fauna wiederum verst\u00e4rkt.<br \/>\nDas alles kam zusammen am Tuz-See und den Kizil-Ufern wie nirgends sonst in<br \/>\nVorderasien oder S\u00fcdosteuropa.<br \/>\nDie fr\u00fchesten Orte landwirtschaftlichen Fortschritts lagen unweit der<br \/>\nBergketten, die die urspr\u00fcngliche Heimat der wild wachsenden Vorfahren von<br \/>\nWeizen und Gerste waren; alle befanden sich entweder im Bereich oberhalb des<br \/>\nf\u00fcr regenabh\u00e4ngigen Ackerbau notwendigen Niederschlagsminimums von 30 cm pro<br \/>\nJahr oder unterhalb in &#8220;Oasenlagen&#8221;, wo ein Anbau auf \u00dcberschwemmungsb\u00f6den<br \/>\nm\u00f6glich war.<br \/>\nDie Fischer-Ackerbauern in der Hochlandebene von Anatolien zwischen<br \/>\nPontischem Gebirge im Norden und Taurus-Bogen im S\u00fcden k\u00f6nnen im 8. Jt. v.<br \/>\nChr. auch zuerst erfolgreich geeignete Schafe (um 7.500) und Wildziegen<br \/>\n(wohl um 7.000) domestizieren, die sie vorher bejagt hatten, um Milch,<br \/>\nWolle, Leder und Fleisch zu gewinnen.<\/p>\n<p>Die Ausgrabungen von Catal H\u00f6y\u00fck im S\u00fcden des &#8220;Rot-Wasser-Landes&#8221; von Kizil<br \/>\nund Tuz lassen erkennen, dass die \u00e4ltesten Domestikationsversuche des Rindes<br \/>\num 6.500 v. Chr. anzusetzen sind; um diese Zeit entstehen Stierkulte und<br \/>\nentsprechende Fruchtbarkeitsriten; das Verlangen nach Milch ist ungestillt &#8211;<br \/>\nund der Wunsch nach einem kr\u00e4ftigen Zug- und Tragetier zur Entlastung der<br \/>\nMenschen von Schleppen und Kiepen. Vorher ist das Wildrind noch eine<br \/>\nwertvolle Beute der J\u00e4ger, wie man Felsbildern \u00fcberall in Europa und<br \/>\nVorderasien entnehmen kann; jetzt wird das Rind (pecus = St\u00fcck Vieh, nach<br \/>\nK\u00f6pfen zu z\u00e4hlen) zum wichtigsten Haustier als Milch-, Fleisch- und<br \/>\nLeder-Lieferant, als Arbeitstier und Zahlungsmittel (pecunia = Geld) sowie<br \/>\nKapital (caput = Kopf). Aleph (Rind) hat sich sogar als erster Buchstabe im<br \/>\n&#8220;ph\u00f6nizischen Alphabet&#8221; bis heute auch in den indogermanischen Schriften<br \/>\nbew\u00e4hrt. Sicherlich war der Stierkopf eines der ersten Schriftzeichen der<br \/>\nBilderschrift &#8211; und das Symbol f\u00fcr Eins, so wie ja im Altgriechischen Alpha<br \/>\nals Buchstabe a und als Ziffer 1 bedeutet.<br \/>\nUm 6.500 v. Chr. gelingt es auch, das Schwein (sus scrofa) in Rotten<br \/>\nhalbzahm zu machen, so dass es sich in den W\u00e4ldern selbst ern\u00e4hrt und doch<br \/>\nals Fleischlieferant st\u00e4ndig greifbar ist. Beim halbwilden Schwein entfallen<br \/>\ndie M\u00fchen der bisherigen Bejagung und die laufenden Kosten der F\u00fctterung und<br \/>\nH\u00fctung.<br \/>\nDas alluviale Anatolische Hochland an Kizil und Tuz, das f\u00fcnf Jahrtausende<br \/>\nsp\u00e4ter also auch dem (indogermanischen) Hethitischen Gro\u00dfreich seine<br \/>\nWirtschaftskraft verleihen wird &#8211; als ernstzunehmendem Gegner der<br \/>\nBew\u00e4sserungskulturen Babylons und \u00c4gyptens, ist der zentrale Inkubator der<br \/>\nNeolithischen Revolution, der Ideenlieferant von Saatgut und Zuchtvieh f\u00fcr<br \/>\nAckerbau und Tierhaltung in Vorderasien und danach S\u00fcdost-Europa. (Nur das<br \/>\nSchwein wurde in Europa und Asien \u00fcberall vor Ort aus den heimischen Arten<br \/>\nin den W\u00e4ldern gez\u00fcchtet, weil es in Rotten lebt und nicht f\u00fcr<br \/>\nWander-Herdenhaltung geeignet ist).<\/p>\n<p>Von 9.000 v. Chr. an finden wir rund um das ostanatolische Ararat-Massiv die<br \/>\nMenschen dabei, sich konsequent der &#8220;produzierenden&#8221; Wirtschaftsweise<br \/>\nzuzuwenden. Die Neolithiker bedienen sich bei der Flora mit Einkorn, Emmer,<br \/>\nGerste, Rebst\u00f6cken, \u00d6lb\u00e4umen, Dattelpalmen und H\u00fclsenfr\u00fcchten; bei der Fauna<br \/>\nmit der Zucht von Ziege, Schaf und Rind. Mit Steinwerkzeugen und<br \/>\nObsidian-Klingen werden Holz- und Laubh\u00fctten gebaut, Block- und<br \/>\nSchilfh\u00fctten; Sicheln und Grabst\u00f6cke werden erfunden und weiter entwickelt,<br \/>\nW\u00e4lder f\u00fcr Ackerfl\u00e4chen und Weidegr\u00fcnde gerodet, erste Tongef\u00e4\u00dfe dienen der<br \/>\nAufbewahrung und Verarbeitung pflanzlicher und tierischer Produkte (Korn,<br \/>\nDatteln, \u00d6l, K\u00e4se, Butter, Stockfisch und Trockenfleisch, Gegorenes,<br \/>\nGedarrtes, Ger\u00e4uchertes, Gesalzenes, in \u00d6l oder Lake Eingelegtes,<br \/>\nVergrabenes&#8230;). Denn wie bei der Hochz\u00fcchtung der Sorten haben die<br \/>\nNeolithiker sich auch durch Versuch und Irrtum bei der Weiterverarbeitung<br \/>\nund Haltbarmachung ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse immer neue<br \/>\nErkenntnisse erarbeitet. Dass sie das &#8220;leisten&#8221; k\u00f6nnen, verdanken sie der<br \/>\nvorher geschaffenen Eiwei\u00dfgrundlage des Fischfanges und der damit<br \/>\nverbundenen festen Ansiedlung von J\u00e4gern und Sammlern in stabilen Verb\u00e4nden<br \/>\nsowie der zunehmenden Arbeitsteilung in diesen Fischerei-, Jagd-, Sammel-,<br \/>\nVorrats- und Tausch-Genossenschaften, in denen unterschiedliche F\u00e4higkeiten<br \/>\nund Vorlieben f\u00fcr den Verband eingesetzt werden k\u00f6nnen. &#8220;Investitionen&#8221; in<br \/>\nHilfsmittel und Fertigkeiten f\u00fchren zu h\u00f6herer Produktivit\u00e4t und besserer<br \/>\nVersorgung, zur &#8220;Wohlfahrtssteigerung&#8221; durch Arbeitsteilung, um es mit Adam<br \/>\nSmith zu sagen. Und die Konservierung ist Voraussetzung f\u00fcr den Fernhandel<br \/>\nmit Lebensmitteln, z. B. mit Seefisch und Schlachtfleisch auf allen<br \/>\nWasserwegen, also f\u00fcr die &#8220;Internationale Arbeitsteilung&#8221; zum Vorteil f\u00fcr<br \/>\nalle Beteiligten.<\/p>\n<p>In Cay\u00f6n\u00fc auf dem Westufer des Oberlaufes des (t\u00fcrkischen) Tigris haben<br \/>\nArch\u00e4ologen anhand der Schichten zeigen k\u00f6nnen, in welchem Rhythmus die<br \/>\nInnovationen der &#8220;Rotwasser-Insel&#8221; des Kizil 500 km entfernt \u00fcbernommen<br \/>\nwurden. 8.800 v. Chr. bauen dort J\u00e4ger und Sammler ihre ersten Fischerh\u00fctten<br \/>\n(unter Zuhilfenahme von Felsvorspr\u00fcngen und Ufer\u00fcberh\u00e4ngen) am Flu\u00df, werden<br \/>\nalso sesshaft in einem Fischerdorf und sichern so ihr t\u00e4gliches<br \/>\nExistenzminimum. 8.000 v. Chr. importieren sie das erste Saatgut nach<br \/>\nOber-Mesopotamien, ohne vorher eigene Experimente gestartet zu haben, also<br \/>\netwa 1.000 Jahre nach den ersten anatolischen Z\u00fcchtungen. 7.300 importieren<br \/>\nsie schon Schafe, also etwa 200 Jahre nach deren Domestikation im Hochland<br \/>\nvon Anatolien.<\/p>\n<p>Nach der ersten Verbreitung von Ackerbau und Viehzucht scheint sich die<br \/>\nDiffusion aller b\u00e4uerlichen Neuerungen sehr rasch vollzogen zu haben. Dieses<br \/>\n&#8220;Tretm\u00fchlen-Modell&#8221; der landwirtschaftlichen Innovationen wird auch heute<br \/>\nnoch in der Agrarwissenschaft gern bem\u00fcht. Denn Wissen ist ein \u00f6ffentliches<br \/>\nGut, das sich jeder kostenlos zunutze machen kann, und das eher zu- als<br \/>\nabnimmt, wenn man es mit anderen &#8220;teilt&#8221;.<br \/>\nDie Bewohner von Cay\u00f6n\u00fc erreichen einen gewissen Wohlstand; sie f\u00fchren<br \/>\nFeuerstein und Obsidian sowie Bergkristall aus dem Armenischen Hochgebirge<br \/>\nein, sie erbauen 2 m hohe Steinmonolithen und einfache Steinh\u00e4user &#8211; und<br \/>\nMuschelgeh\u00e4use beziehen sie aus dem Roten und dem Mittelmeer sowie dem<br \/>\nIndischen Ozean: Perlmutter und Kauri-Muscheln wohl als Schmuck.<br \/>\n8.300 v. Chr. siedeln J\u00e4ger und Sammler auch am Westufer des (t\u00fcrkischen)<br \/>\nEuphrat in Cafer H\u00f6y\u00fck in Obermesopotamien; ihre Entwicklung folgt demselben<br \/>\nMuster wie Cay\u00f6n\u00fc, ist aber arch\u00e4ologisch nicht so gut belegt.<br \/>\nBereits 10.200 v. Chr. lassen sich J\u00e4ger und Sammler als Fischer auch am<br \/>\nOstufer des (t\u00fcrkischen) Tigris bei Diyarbakir in Hallan Cemi nieder. Sie<br \/>\nwerden ganzj\u00e4hrig in ihrem Fischerdorf sesshaft, wenden sich nach dem<br \/>\ngeschilderten Muster der Landwirtschaft zu, pflastern einen Dorfplatz und<br \/>\nerrichten Steingeb\u00e4ude. Sie benutzen Spitzhacken aus Hirschgeweih, Sicheln<br \/>\naus Steinklingen mit Holz- oder Knochen-Schaft sowie geschliffene<br \/>\nFeuerstein-\u00c4xte mit Holzstielen. Der Feuerstein ist aus Anatolien<br \/>\nimportiert.<br \/>\nLeider wurde diese Fundst\u00e4tte am Tigris im Batman-Stausee der T\u00fcrkei<br \/>\nversenkt.<\/p>\n<p>Diese &#8220;emporgewohnten H\u00fcgel&#8221; (t\u00fcrk. H\u00f6y\u00fcks und arab. Tells) werden in der<br \/>\nLiteratur als &#8220;s\u00fcdostanatolisch&#8221; bezeichnet; hier wird die Bezeichnung<br \/>\n&#8220;obermesopotamisch&#8221; vorgezogen, weil so das obere<br \/>\nEuphrat-Tigris-Gew\u00e4sser-System in seiner Eigenart vom anatolischen<br \/>\n&#8220;Kizil-Tuz-Gew\u00e4sser-System&#8221; und der sp\u00e4teren &#8220;mesopotamischen<br \/>\nBew\u00e4sserungskultur&#8221; der Sumerer und Babylonier semantisch abgegrenzt werden<br \/>\nsollte.<\/p>\n<p>In Obermesopotamien zwischen Euphrat und Tigris am \u00f6stlichen (t\u00fcrkischen)<br \/>\nEuphrat-Nebenflu\u00df Chabur bei Urfa (Edessa) entsteht 9.000 v. Chr. mit<br \/>\nG\u00f6bekli Tepe das erste steinerne Bauwerk aus gro\u00dfen Steinkreisen mit<br \/>\ntonnenschweren T-f\u00f6rmigen Pfeilern im Zentrum und mit Reliefs von Tieren,<br \/>\nBefruchtungs-Szenen und Phallus-Symbolen, erbaut von erfolgreichen J\u00e4gern<br \/>\nund Sammlern, die sich hier seit 11.000 v. Chr. versammeln, aber nicht dort<br \/>\nals Fischer-Bauern sesshaft sind. Dieser Gro\u00dfsteinbau ohne agrarische<br \/>\nWirtschaftsbasis wird um 8.500 v. Chr. mit Sand verf\u00fcllt und als Kultzentrum<br \/>\naufgegeben.<br \/>\nDie Tr\u00e4ger dieser ersten steinernen Tempel-Gro\u00dfanlage an arider St\u00e4tte,<br \/>\nnomadisierende Jagdbeuter und Sammler, k\u00f6nnen sich dem Ackerbau nach<br \/>\nzentralanatolischem Vorbild wohl nur zuwenden, wenn sie damit anderswo auf<br \/>\nfruchtbarem Boden mit ausreichender Feuchte beginnen. Jedenfalls gibt es<br \/>\nkeine Spuren gewaltsamer Vertreibung vom Kultplatz, der doch sehr viele<br \/>\nStunden harter Arbeit und systematischer Planung gekostet hat. Dass diese<br \/>\nMenschen auf das Leben streifender Sammler und Gebirgsj\u00e4ger im<br \/>\nArarat-Massiv, im Kaukasus oder im Zagros-Gebirge zur\u00fcckgefallen sein<br \/>\nk\u00f6nnten, ist eigentlich nicht vorstellbar.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit den Siedlern von Jericho, die den Schutz ihrer<br \/>\nm\u00fchsam erbauten Stadtmauer aus Stein 7.700 v. Chr. aufgeben, weil Flora und<br \/>\nFauna der Jordansenke infolge Trockenheit und Versalzung von B\u00f6den und<br \/>\nGew\u00e4ssern sie nicht mehr ern\u00e4hren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Siedlung Mureybet (10.200 &#8211; 8.000 v. Chr.) liegt etwas weiter s\u00fcdlich<br \/>\nals G\u00f6bekli Tepe in Obermesopotamien am Euphrat-Ufer in Syrien; heute ist<br \/>\nsie im Assad-Stausee versunken. Im Natufien ern\u00e4hren sich diese Menschen von<br \/>\nSteppentieren, u. a. von Kropf-Gazellen und Przewalski-Pferden, sie sind<br \/>\nalso weiterhin vom Jagdgl\u00fcck abg\u00e4ngige Wildbeuter, nicht Z\u00fcchter. Aber ihre<br \/>\nFischerei im Euphrat gibt ihnen den Freiraum, an den fruchtbaren<br \/>\nSediment-Ufern mit Wildformen von Gerste und Roggen zu experimentieren und<br \/>\nmit ihrer Verarbeitung, wie Mahlsteine beweisen. Die fr\u00fchgeschichtliche<br \/>\neinfache Mahlvorrichtung ist die Sattelhandm\u00fchle, bei der ein kleinerer<br \/>\nStein \u00fcber einen gro\u00dfen geriffelten Stein hin und herbewegt wird, um die<br \/>\nharten K\u00f6rner zu Brei oder Mehl zu zermahlen, je nach Feuchtigkeit des<br \/>\ngeernteten Getreides. &#8211; Es folgen auch Domestikationsversuche bei Tieren.<br \/>\n8.600 &#8211; 8.000 v. Chr. wird Getreide regelm\u00e4\u00dfig angebaut, Ziege (die<br \/>\nBezoarziege: Capra aegragus gibt es heute noch in Vorderasien und auf Kreta)<br \/>\nund Schaf werden gehalten. Jedoch fallen die Bewohner, nachdem sie den<br \/>\nAufstieg von Rundbauten aus Stampflehm (9.700 &#8211; 9.300 v. Chr.) zu<br \/>\nrechteckigen Steinbauten (9.300 &#8211; 8.600 v. Chr.) geleistet haben, wieder auf<br \/>\nGeb\u00e4ude aus Lehm zur\u00fcck und geben ihre Siedlung im 8. Jt. noch in<br \/>\nvorkeramischer Zeit PPNB auf &#8211; als Opfer der Boden-Austrocknung, Versalzung<br \/>\nund Ersch\u00f6pfung an Spurenelementen. Die Versteppung schreitet in diesem<br \/>\nGebiet rasch weiter voran, aus halbariden Gebieten werden vom 8. Jt. an<br \/>\nW\u00fcsten. Erste Versuche der Bew\u00e4sserung durch Querrinnen zu den Fl\u00fcssen an<br \/>\nBergh\u00e4ngen sind nicht von Erfolg gekr\u00f6nt, weil zwar ein D\u00fcngungseffekt durch<br \/>\nden Schlamm, zugleich aber bei der Verdunstung die Versalzung der B\u00f6den<br \/>\ngef\u00f6rdert wird. Salz als notwendiges Spurenelement ist in h\u00f6herer<br \/>\nKonzentration Gift f\u00fcr Flora und Fauna.<\/p>\n<p>Die hier angef\u00fchrten ackerbaulichen und viehz\u00fcchterischen Versuche und<br \/>\nFehlschl\u00e4ge sind Hinweise daf\u00fcr, dass die erfolgreichen Sorten und Arten,<br \/>\ndie dann sp\u00e4ter sowohl nach Europa (im Nordwestbecken des Schwarzen Meeres)<br \/>\nals auch nach Vorderasien (Pal\u00e4stina, Mesopotamien, Zagros-Vorgebirge)<br \/>\nvordringen, nicht s\u00fcdlich vom Ostanatolischen Gebirge in Obermesopotamien an<br \/>\nEuphrat und Tigris entwickelt wurden oder s\u00fcdlich vom Libanon am Jordan,<br \/>\nsondern n\u00e4her zu Europa in Zentral-Anatolien zwischen Taurus und Antitaurus,<br \/>\ns\u00fcdlich des Pontischen Gebirges: mit der direkten Fluss-Verbindung des Kizil<br \/>\nzum Schwarzen Meer. Exporte von Wissen und Transporte von Erzeugnissen sowie<br \/>\nWanderungen aus der Hochinsel-Lage der ersten anatolischen Bauern waren also<br \/>\nleicht und schnell zu Wasser m\u00f6glich in Richtung Nordwesten nach Europa;<br \/>\ndiese waren um so schwieriger in Richtung S\u00fcdosten nach Mesopotamien und in<br \/>\ndie Arava-Senke des Jordan; denn dahin gibt es nur den beschwerlichen<br \/>\nLandweg durch die Kilikische Pforte (bei Tarsus), weil das Armenische<br \/>\nGebirgsmassiv keine Abfl\u00fcsse nach Osten und der Taurus keinen Flu\u00df nach<br \/>\nS\u00fcden zul\u00e4sst. In der Luftlinie sind die Entfernungen von Catal H\u00f6y\u00fck bis<br \/>\nzum (in der Nordwest-Bucht des Schwarzen Meeres versunkenen)<br \/>\nDonau-Dnjepr-Delta und bis zum (im W\u00fcstensand vergrabenen) G\u00f6bekli Tepe mit<br \/>\n600 km gleich. Wegen der besseren Transportm\u00f6glichkeit zu Wasser sollte die<br \/>\nIdee der Landwirtschaft also eher im fruchtbaren Schwemmland-Delta von<br \/>\nDonau-Dnjepr-Becken in Europa angekommen sein als im Norden des<br \/>\nZweistromlandes von Euphrat und Tigris oder in der Araba-Senke von<br \/>\nJordanien. Jedoch gibt es daf\u00fcr keine arch\u00e4ologischen Belege, weil dieses<br \/>\nGebiet im Dreieck von Constantza, Odessa und Sevastopol 70 bis 100 m unter<br \/>\nSalzwasser begraben ist. Nur die hoheitsrechtlich zur Ukraine geh\u00f6rende<br \/>\nrum\u00e4nische Schlangeninsel (rum. Insula Serpilor, russ. Ostrov Smeiny, gr.<br \/>\nLeuke: die Wei\u00dfe), ein Kalkfelsen von 17 ha, der an den Buntsandsteinfelsen<br \/>\nHelgoland im versunkenen Ems-Weser-Elbe-Delta erinnert, ragt als Memento<br \/>\nMori 41 m aus dem Salzmeer hervor, seine H\u00f6he vom Meeresboden ist 75 m. (Der<br \/>\nalte Leuchtturm ist inzwischen verfallen; die ukrainische Marine erzeugt<br \/>\nihren Strom vor Ort durch Diesel-Aggregate; eine projektierte<br \/>\nWindkraftanlage aus Deutschland konnte nicht realisiert werden; jedenfalls<br \/>\nist die Insel Leuke, anders als im Altertum, als sie &#8220;Pilgerort des<br \/>\nAchilles-Grabes&#8221; war, nicht mehr zug\u00e4nglich: gesperrt auch f\u00fcr Segelboote<br \/>\nund Tagesausfl\u00fcge).<br \/>\nS\u00fc\u00dfwasserfl\u00fcsse, Quellen, Seen und gen\u00fcgend Grundwasser sind notwendige<br \/>\nVoraussetzungen sowohl f\u00fcr das Pflanzenwachstum und den Herdenauftrieb als<br \/>\nauch f\u00fcr den \u00fcberregionalen Austausch von Wissen, den Transport von<br \/>\nlandwirtschaftlichen Erzeugnissen und die Wanderung von Bauern auf neue<br \/>\nfruchtbare B\u00f6den; jedoch muss der Weide- und Acker-Boden auch hinreichende<br \/>\nFeuchte aufweisen. Notfalls f\u00fchrt das zur Bew\u00e4sserungskultur in Fluss- und<br \/>\nQuellen-Oasen, wie es denn schon fr\u00fch in vorsumerischer Zeit geschehen<br \/>\nmu\u00dfte. Das urindogermanische Wort *wat-ar (nom) wird durch die Hethiter des<br \/>\n2. Jt. v. Chr. bis zu uns \u00fcberliefert (gen. *wet-enas: r\/n-Stammwechsel).<\/p>\n<p>Um 7.000 v. Chr. lernen die Ackerbauern in Zentralanatolien und<br \/>\nObermesopotamien auch, den lein\u00f6l- und faserreichen Flachs (Gespinst- und<br \/>\n\u00d6l-Lein) zu kultivieren. Textilien aus Linnen kommen in Gebrauch und<br \/>\nerg\u00e4nzen Pelze, H\u00e4ute und Fellkleidung. Insbesondere das N\u00e4hen des gewebten<br \/>\nLeinentuchs mit Bein- und Horn-Nadeln ist viel leichter als bei gegerbtem<br \/>\nLeder; und es entf\u00e4llt das arbeitsintensive Gerben und Vorstechen mit der<br \/>\nAhle (ig *ela = Pfriem).<br \/>\nLein\u00f6l, aus Leinsamen kalt gepresst, geh\u00f6rt seitdem zum festen<br \/>\nNahrungsbestandteil b\u00e4uerlicher Kulturen &#8211; und zu den uralten Hausmitteln<br \/>\nauch in Europa. Es enth\u00e4lt reichlich unges\u00e4ttigte Fetts\u00e4uren.<br \/>\nFaser- und Rausch-Hanf z\u00fcchteten sie noch nicht; dessen Ursprung scheint um<br \/>\n3.000 v. Chr. im persischen Zagros-Gebirge zu liegen.<\/p>\n<p>7.400 bis 6.500 v. Chr. wachsen in Zentralanatolien in Kleinasien mit Catal<br \/>\nH\u00f6y\u00fck bei Konya\/Ikonion und Cay\u00f6n\u00fc Tepesi (um 7.300 v. Chr.) die gr\u00f6\u00dften<br \/>\n&#8220;Erntekultur-Siedlungen&#8221; heran, gespeist vom ostanatolischen Gebirgswasser<br \/>\ndes Kizil-Flusses und des Tuz-Sees. Catal H\u00f6y\u00fck ist eine der fr\u00fchesten<br \/>\nstadt\u00e4hnlichen Siedlungen mit einer Bev\u00f6lkerung von mehreren tausend<br \/>\nBewohnern, deren rechteckige H\u00e4user aneinander gebaut sind und nur durch das<br \/>\nDach betreten werden k\u00f6nnen. Das gilt auch f\u00fcr die &#8220;Stierkult-Schreine&#8221; mit<br \/>\neiner \u00d6ffnung im Dach. Der gesamte Komplex ist nur \u00fcber Leitern an den<br \/>\nAu\u00dfenmauern zug\u00e4nglich; das &#8220;\u00f6ffentliche&#8221; Leben findet auf dem Dach statt.<\/p>\n<p>Allerdings werden die erfolgreichen zentralanatolischen Siedlungen, die<br \/>\nzun\u00e4chst so beg\u00fcnstigten Urzellen der Landwirtschaft, um 6.500 v. Chr. von<br \/>\nder Mehrheit ihrer Bewohner verlassen, wohl wegen der Austrocknung,<br \/>\nErsch\u00f6pfung und Versalzung der B\u00f6den, des Tuz-Sees und der Kizil-Flu\u00dfauen.<br \/>\nDer Eintrag von Salz durch den Halys konterkariert auf die Dauer die<br \/>\nVorteile der Schwemmland-D\u00fcngung. In der zunehmenden Trockenheit im<br \/>\nKlimawandel wird dieser Effekt durch die unvermeidliche k\u00fcnstliche<br \/>\nlandwirtschaftliche Bew\u00e4sserung zur Ern\u00e4hrung einer so gro\u00dfen Bev\u00f6lkerung<br \/>\nnoch verschlimmert. Diese anatolischen Bauern werden von den leicht<br \/>\nerreichbaren, ihnen durch Handel schon bekannten gro\u00dfen Flusssystemen, wo<br \/>\nBew\u00e4sserung nicht n\u00f6tig ist, im Norden des Schwarzen Meeres unwiderstehlich<br \/>\nangezogen, um dort auf den fruchtbaren europ\u00e4ischen Schwemm- und<br \/>\nSchwarzerdeb\u00f6den am wasserreichen Schwarzmeer ihre Landwirtschaft zu<br \/>\nvervollkommnen, weil auch Pal\u00e4stina von der Austrocknung und Versalzung<br \/>\nbetroffen ist (Salzgehalt im Toten Meer und Trockenfallen der Arava-Senke)<br \/>\nund der Weg nach S\u00fcdosten aussichtslos erscheint. Sie liefern zwar ihre<br \/>\nErzeugnisse und ihr Wissen dahin, die Anatolier selbst ziehen aber lieber in<br \/>\nRichtung feuchter B\u00f6den, wo die Landwirtschaft noch nicht entwickelt ist,<br \/>\nstatt in noch w\u00e4rmere Steppen- und W\u00fcstenregionen, wo schon einheimische<br \/>\nBauern den besten Boden besetzt haben und selbst mit ersten Bew\u00e4sserungen<br \/>\ngegen die Versteppung k\u00e4mpfen. Ab sofort werden diese Bauern aus Anatolien<br \/>\nnach ihren schlechten Erfahrungen mit der Bew\u00e4sserung lieber in Fluss-Deltas<br \/>\nund an Fluss-M\u00fcndungen sowie an S\u00fc\u00dfwasser-Seen wie dem Pontos Ackerbau und<br \/>\nViehzucht betreiben.<br \/>\nIm ersten Schritt d\u00fcrften die Tuz-Bauern stromabw\u00e4rts mit ihrem Saatgut und<br \/>\nZuchtvieh durch die Paphlagonische Pforte in das fruchtbare und wasserreiche<br \/>\nKizil-Delta mit seinem Schwemmlandboden vorgedrungen sein. Sie bringen auch<br \/>\nihre Keramik in den Schwarzmeerraum nach Europa mit, als sie sich am<br \/>\nschmalen K\u00fcstensaum nach Westen ausdehnen &#8211; im gro\u00dfen Bogen auf die<br \/>\nDonaum\u00fcndung zu. Unterwegs bieten sich ihnen im S\u00fcdwesten des Schwarzen<br \/>\nMeeres zwei Landbr\u00fccken nach Europa an, die Urstromt\u00e4ler des Bosporus nach<br \/>\nThrakien und der Dardanellen (gr. des Hellespont) in die \u00c4g\u00e4is n\u00f6rdlich und<br \/>\ns\u00fcdlich des Marmara-Meeres, das damals wie das Schwarze Meer noch<br \/>\nS\u00fc\u00dfwasser-See ist. Die Inseln der \u00c4g\u00e4is sind ebenfalls noch gro\u00dfenteils<br \/>\nmiteinander verbunden. Einer direkten Besiedelung Griechenlands st\u00fcnde<br \/>\nnichts im Wege &#8211; und sicherlich sind einige Anatolier um 6.500 v. Chr.<br \/>\ndirekt dorthin gezogen, wie arch\u00e4ologische Befunde zeigen. Die meisten<br \/>\nBauern jedoch klammern sich an das S\u00fc\u00dfwassermeer mit dem milden Klima und an<br \/>\ndas Ziel weiter im Norden, das gro\u00dfz\u00fcgige und fruchtbare<br \/>\nDonau-Dnjestr-Bug-Dnjepr-Delta. Die patriarchalische b\u00e4uerliche<br \/>\nFamilienstruktur h\u00e4lt die Clans als feste Verb\u00e4nde \u00fcber mehrere Generationen<br \/>\nder Wanderung in Richtung Donau zusammen. Der &#8220;Umzug&#8221; d\u00fcrfte auch von<br \/>\nlanger Hand geplant und strategisch durchgef\u00fchrt worden sein, wenn man<br \/>\nbedenkt, dass die Stadt Catal H\u00f6y\u00fck ganz sicher eine irgendwie geartete<br \/>\nF\u00fchrung und Verwaltung hatte, z. B. von Hohenpriestern, die nicht nur f\u00fcr<br \/>\ndie St\u00e4tten des Stierkults zust\u00e4ndig waren.<br \/>\nDie letzten Bewohner verlassen Catal H\u00f6y\u00fck, das Zentrum der ersten<br \/>\nanatolischen Hochkultur, erst 1.500 Jahre sp\u00e4ter &#8211; wohl als die Versteppung<br \/>\n\u00fcberhaupt keine Existenzgrundlage f\u00fcr eine b\u00e4uerliche Siedlung mehr bietet.<br \/>\n(Hier dr\u00e4ngt sich der Vergleich mit dem Untergang fr\u00fcher<br \/>\nNeue-Welt-Hochkulturen auf. Der Erfolg des Maya-Mais-Anbaues f\u00fchrte zu einer<br \/>\nsolchen Bev\u00f6lkerungsverdichtung und Bodenersch\u00f6pfung, dass gro\u00dfe Siedlungen<br \/>\nund Kultzentren aufgegeben werden mu\u00dften). Die &#8220;letzten Anatolier&#8221; zogen um<br \/>\n5.000 v. Chr. in Richtung \u00c4g\u00e4is und auch nach Kreta. Den Stierkult der<br \/>\nMinotaurus-Verehrung hatten ihre Anf\u00fchrer im Gep\u00e4ck; er sollte sich in<br \/>\nverschiedenen Formen \u00fcber das ganze Mittelmeer bis zum Stierspringen und bis<br \/>\nzum Stierkampf auf der Iberischen Halbinsel ausbreiten.<\/p>\n<p>Auch die Menschen der Siedlungen an den Oberl\u00e4ufen von Euphrat und Tigris<br \/>\nwerden gezwungen, flussabw\u00e4rts in feuchtere Gebiete zu ziehen. Im 6. Jt. v.<br \/>\nChr. werden Ninive und Nimrud begr\u00fcndet, der \u00dcberlieferung nach<br \/>\nJ\u00e4gersiedlungen. Umgekehrt m\u00fcssen die Ufersiedler von S\u00fcdmesopotamien bis zu<br \/>\n1.000 km flussaufw\u00e4rts ziehen, weil das Stromtal vom Indischen Ozean<br \/>\ngeflutet wird und 25 m tief im Persischen Golf versinkt. Dieser Abzug d\u00fcrfte<br \/>\nrasch erfolgt sein, weil das Urstromtal topfeben ist und mit dem Eindringen<br \/>\ndes Wassers durch die Stra\u00dfe von Oman die ganze Ebene unter Wasser gesetzt<br \/>\nwird, vor allen Dingen, weil die Salzflut im Engpass der Stra\u00dfe von Hormus<br \/>\neine h\u00f6here Str\u00f6mungsgeschwindigkeit erh\u00e4lt und das Flusswasser im Tal<br \/>\naufstaut. Mit einem Schlage erliegen Flora und Fauna dem giftigen Salz.<br \/>\nWenn die \u00e4lteste Siedlung von Eridu, 19 km s\u00fcdwestlich von &#8220;Ur in Chald\u00e4a&#8221;<br \/>\n(angeblich die Heimat Abrahams), von den Flutvertriebenen stammt, dann<br \/>\nflutete das Weltmeer das Urstromtal von Euphrat und Tigris im 6. Jt. v.<br \/>\nChr., so wie bis 5.600 v. Chr. das Schwarze Meer durch den Bosporus, nachdem<br \/>\nes das Marmara-Meer durch die Dardanellen mit Salzwasser \u00fcberschwemmt hatte.<br \/>\n(Die durchschnittliche Tiefe des Persisch-Arabischen Golfs, des Gr\u00fcnen<br \/>\nMeeres, ist 25 m, die Durchfluss-Tiefe des Bosporus 30 m, die minimale Tiefe<br \/>\ndes Hellespont 40 m; die Ereignisse sollten entsprechend dem eustatischen<br \/>\nWeltmeer fast zeitgleich in der Reihenfolge abnehmender Tiefe erfolgt sein).<br \/>\nDer Tell Abu Schahrein (die \u00e4lteste Siedlung Eridu im S\u00fcdirak) lag<br \/>\nurspr\u00fcnglich an einer Lagune des neu entstandenen Persischen Golfs, also<br \/>\neiner seichten Stelle der Flachk\u00fcste.<br \/>\nAm Hauptheiligtum des Gottes Enkidu kann in 16 Schichten die Entwicklung des<br \/>\n&#8220;babylonischen&#8221; Tempelbaus in Eridu verfolgt werden &#8211; vom Beginn der<br \/>\nFlutvertriebenen 5.600 v. Chr. \u00fcber die vom Zagros-Abhang 4.000 v. Chr.<br \/>\neindringenden nicht-semitischen Sumerer bis zu den semitischen Babyloniern.<br \/>\nNach 2.000 v. Chr. wurde Eridu, wo der Gott der Weisheit und der Heilkunde<br \/>\nder Sumerer Enki und dann der babyl.-assyr. Gott Ea, der Herr des<br \/>\n&#8220;unterirdischen S\u00fc\u00dfwasser-Ozeans&#8221; Apsu, verehrt wurde, wegen Versandung<br \/>\n(W\u00fcstung) der Lagune aufgegeben. Offensichtlich hatten Euphrat und Tigris<br \/>\ndie Verlandung mit ihrem st\u00e4ndigen Sedimenteintrag aus dem Ararat-Massiv<br \/>\nverursacht.<br \/>\nDie ersten (vorsumerischen) Bewohner von Eridu um 5.600 v. Chr. lebten in<br \/>\nSchilfh\u00fctten und Lehmziegelh\u00e4usern, wie sie es vom Uferleben am Unterlauf<br \/>\nvon Euphrat und Tigris kannten. In der Schichtenfolge treten bemalte<br \/>\nKeramik, Fischerboote, Jagdschleudern, Feuerstein- und Obsidian-Klingen und<br \/>\nSicheln aus hart gebranntem Ton auf.<br \/>\nDie Sumerer brachten ab 4.000 v. Chr. Zedernholz aus ihrer Heimat, dem<br \/>\nZagros-Gebirge, T\u00f6pferscheibe, Schriftzeichen, Pflug und Kampfwagen, die<br \/>\nBabylonier dann Rundplastik sowie Gef\u00e4\u00dfe aus Silber, Blei und Kupfer ein.<br \/>\n(Die israelitische Flutsage beruht wohl auf den Erlebnissen der Vor-Sumerer<br \/>\nmit ihrem Urstromtal der Fl\u00fcsse Euphrat und Tigris, die pl\u00f6tzlich &#8220;r\u00fcckw\u00e4rts<br \/>\nflossen&#8221;, wie sie sich im Gilgamesch-Epos niedergeschlagen haben; der dort<br \/>\nangef\u00fchrte Umbaba-Zedernwald liegt nicht im Libanon im fernen Westen, aus<br \/>\ndem die Pharaonen ihr Holz auf ph\u00f6nizischen Seglern \u00fcber das Mittelmeer<br \/>\nbezogen, sondern ganz in der N\u00e4he im \u00f6stlichen Zagrosgebirge).<br \/>\nIm neuen M\u00fcndungsgebiet von Euphrat und Tigris entstanden dann im 6. Jt. v.<br \/>\nChr. die vor-sumerischen Bew\u00e4sserungskulturen, die Vorl\u00e4ufer der sumerischen<br \/>\nStadtstaaten Uruk, Kisch, Ur, Lagasch und Umma. Die Sprache der Sumerer,<br \/>\ndie das Gebiet 4.000 v. Chr. besetzten und zur Bl\u00fcte brachten ist, wie wir<br \/>\nheute wissen, nicht-flektierend, weder semitisch noch indogermanisch,<br \/>\nsondern agglutinierend, also wie das Finno-Ugrische. Die Sumerer kamen aus<br \/>\nder N\u00e4he, aus Chusistan vom Westrand des (persischen) Zagros wegen der<br \/>\nTrockenheit und des damit einhergehenden Mangels an Weidefl\u00e4chen und<br \/>\nWildbeute. Sie brachten die Vorteile von Kultivation und Irrigation zu<br \/>\nh\u00f6chster Bl\u00fcte: schriftlich dokumentiert, arbeitsteilig angelegt und zentral<br \/>\ngesteuert.<br \/>\nSumer wurde weltweit das erste Zentrum der Wissenschaft: mit Astronomie,<br \/>\nMathematik, Geometrie, Bau- und Ingenieurwesen sowie Wasserkunst. (Babylon<br \/>\nbaute darauf auf, wie auch die Chald\u00e4er, die Assyrer, die Meder und Perser,<br \/>\nbis griechische Philosophen die Fr\u00fcchte der Wissenschaft ernten und der<br \/>\nstaunenden Welt als eigene Forschungsergebnisse mitteilen konnten).<\/p>\n<p>An den europ\u00e4ischen Strom-M\u00fcndungen des Schwarzen Meeres treffen also um<br \/>\n6.500 v. Chr. die anatolischen Bauern westw\u00e4rts rund um das Schwarze Meer<br \/>\nauf die schon fr\u00fcher zugezogenen J\u00e4ger-Fischer-Sammler-Familienverb\u00e4nde, mit<br \/>\ndenen sie im &#8220;Donau-Dnjepr-Bug-Dnjestr-Delta&#8221; gemeinsam die kulturpr\u00e4gende<br \/>\n(Linear-)Bandkeramik hervorbringen, die sp\u00e4ter weit nach Europa vordringt &#8211;<br \/>\nund eine gemeinsame Sprache: &#8220;Indogermanisch&#8221;, die Ursprache fast aller<br \/>\neurop\u00e4ischen Idiome au\u00dfer baskisch, etruskisch, piktisch und finn-ugrisch.<br \/>\nF\u00fcr Ackerbauern, Viehz\u00fcchter und Fischer vom Donau- bis zum Don-Donez-Delta<br \/>\n(heute Asowsches Meer mit der Stra\u00dfe von Kertsch als urspr\u00fcnglicher<br \/>\nDon-M\u00fcndung) sind gen\u00fcgend Ressourcen vorhanden, um eine<br \/>\n&#8220;Schwarzmeer-Donau-Hochkultur&#8221; zu entwickeln, aufbauend auf dem K\u00f6nnen und<br \/>\nWissen der Anatolier &#8211; mit guter Ern\u00e4hrungsbasis und daher nachhaltig<br \/>\nwachsender Population und prosperierender Wirtschaft. Deren Identit\u00e4t wird<br \/>\ndurch eine Legierung der Sprache(n), der Kulte und Wirtschaftsweise(n),<br \/>\ndifferenzierte Arbeitsteilung und Spezialisierung sowie regen<br \/>\nFernhandelsaustausch erreicht. Das hohe Niveau ihrer Existenz scheint auf<br \/>\nDauer gesichert, so dass sie Zeit genug finden, ihre Keramik mit Linien und<br \/>\nB\u00e4ndern zu verzieren und so k\u00fcnstlerisch zu gestalten.<br \/>\nDer Sprachwandel im (versunkenen) Donau-M\u00fcndungsgebiet ist ein Spiegelbild<br \/>\nder \u00c4nderungen des gesellschaftlichen, sozialen und politischen Gef\u00fcges; die<br \/>\nGestalt beider Sprachen in diesem Schmelztiegel ging unter, weil es sich<br \/>\nnicht um die \u00dcbernahme einer Sprache durch eine anderssprachige Bev\u00f6lkerung<br \/>\nhandelte: Das Indogermanische wurde in relativ kurzer Zeit ganz neu kreiert,<br \/>\nwie es etwa im Franz\u00f6sischen der Fall war. Die Wortst\u00e4mme von Ackerbau,<br \/>\nT\u00f6pferei und Viehzucht kamen mit ihren Techniken aus Anatolien, die<br \/>\nSprachwurzeln von Fischfang, Flussfahrt und Wildbeuterei von den ans\u00e4ssigen<br \/>\nEurop\u00e4ern.<\/p>\n<p>Bei der Ankunft der anatolischen Bauern in der Schwarzmeersenke gab es<br \/>\nkeinen Streit: Die Europ\u00e4er sa\u00dfen in \u00dcberzahl sicher als Fischer und J\u00e4ger<br \/>\nin ihren Ufersiedlungen an den zahlreichen Lagunen und Armen des<br \/>\nDonau-Deltas. Die Ank\u00f6mmlinge besetzten die fruchtbaren Weide- und<br \/>\nAckerfl\u00e4chen der Schwemmlandinseln und Ufer und demonstrierten \u00fcberzeugend<br \/>\nihre produktive Wirtschaftsweise. Die Fischer erkannten schnell die Vorz\u00fcge<br \/>\nder Landwirtschaft und stellten sich auch um &#8211; wie es die Treadmill-Theory<br \/>\nvorhersagt. Die Karpaten lagen wie ein Rohstofflager von Holz und<br \/>\nBodensch\u00e4tzen vor ihnen, sie konnten sich leicht auf dem Wasserweg \u00fcber<br \/>\nDonau und Olt bedienen, den die Wildbeuter ja ohnehin regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr ihre<br \/>\nJagd- und Sammelaktivit\u00e4ten nutzten. Vollbeladene Fl\u00f6\u00dfe, in den Karpaten<br \/>\ngeschlagene und verbundene St\u00e4mme, wurden von der Str\u00f6mung in das<br \/>\nDonau-Delta getrieben, direkt bis an die Bootsanleger der Fischer- und<br \/>\nBauern-H\u00fctten, und konnten gleich wieder zum Hausbau verwendet werden. Bald<br \/>\nwaren Alteingesessene und Neuank\u00f6mmlinge in der neuen Wirtschaftsweise auch<br \/>\nfamili\u00e4r verbunden &#8211; und durch eine Sprache aus zwei Wurzeln.<br \/>\nDiese zu gemeinsamem Wohlstand gekommenen &#8220;Bandkeramiker&#8221; oder auch<br \/>\n&#8220;Indogermanen&#8221; aus ihrer &#8220;doppelten Urheimat&#8221; mussten aber bald nach weniger<br \/>\nals einem Jahrtausend um 5.600 v. Chr. ihre Kulturfl\u00e4che vollst\u00e4ndig an das<br \/>\nSchwarze Meer durch die Flutung mit Salzwasser verloren geben (William B. F.<br \/>\nRyan and Walter C. Pitman, An Abrupt Drowning of the Black Sea Shelf, in:<br \/>\nMarine Geology Vol. 138, 1997, pp. 119 &#8211; 126); aber die Namen der<br \/>\nStromm\u00fcndungen Don (\u00f6stliche), Dnjepr (rechte), Dnjestr (linke), Donau<br \/>\n(westliche M\u00fcndung) halten die Erinnerung daran im Menschheitsged\u00e4chtnis<br \/>\nwach: *duna = Flu\u00df bzw. M\u00fcndung. (Diese Fl\u00fcsse trugen weiter im Inland bei<br \/>\nden dort wohnenden Ufer-Anrainern in der Regel ganz andere Namen; das ist<br \/>\neine aus der Onomastik bekanntes Ph\u00e4nomen). Im Times-Atlas of World History<br \/>\nfindet man auf S. 61 in Karte 1 den Eintrag &#8220;Heimat der Indoeurop\u00e4er?&#8221; rund<br \/>\num das Marmara-Meer und die \u00c4g\u00e4is mit dem n\u00f6rdlichsten Punkt am Bosporus;<br \/>\ndamit ist der Kartenzeichner nahe an die historische Wahrheit heranger\u00fcckt;<br \/>\nim Wissen um die Flutung des gesamten Westschelfs des Schwarzen Meeres h\u00e4tte<br \/>\ner sicherlich das \u00fcber dem Bosporus liegende &#8220;Landunter&#8221; mit einbezogen und<br \/>\nein Rufzeichen (aquis submersus!) gesetzt.<br \/>\nEs ist kein Zufall, dass mit dem Erreichen des (nahezu) endg\u00fcltigen<br \/>\nH\u00f6chststandes des Weltmeeres in der Mitte des 6. Jt. v. Chr. die Bewohner<br \/>\ndes Euphrat-Tigris-Urstromtals und des Donau-Dnjepr-Deltas sowie des<br \/>\nDon-Donez-Deltas fast gleichzeitig zu Flutfl\u00fcchtlingen werden. Denn die<br \/>\nDurchschnittstiefe des Persischen Golfs ist 25 m und das Bosporus-Urstromtal<br \/>\nhat 30 m Tiefe an den seichtesten Stellen. Allerdings m\u00fcssen die<br \/>\nMesopotamier rasch stromaufw\u00e4rts ziehen, weil das Wasser sich in der Ebene<br \/>\nfast \u00fcberall gleichzeitig ausbreitet &#8211; \u00fcber 1.000 km L\u00e4nge; dagegen m\u00fcssen<br \/>\nim riesigen Trog des Schwarzen Meeres 100 m Wasserstand aufgef\u00fcllt werden &#8211;<br \/>\ndurch den Bosporus-Engpa\u00df; und die Bewohner der Ufersiedlungen haben maximal<br \/>\nnur 200 km stromaufw\u00e4rts zur\u00fcckzulegen.<\/p>\n<p>Auf der &#8220;Weide&#8221; (bulg. Niwata) von Durankulak und auf der &#8220;Gro\u00dfen Insel&#8221; im<br \/>\nDurankulak-K\u00fcstensee (\u00e4u\u00dferste NO-Ecke Bulgariens s\u00fcdlich der rum\u00e4nischen<br \/>\nGrenze und des Donau-Deltas) an der Schwarzmeerk\u00fcste hat das DAI 1974 &#8211; 1997<br \/>\n(Publikationen von Henrieta Todorova 1989 und 2002) die (bisher) gr\u00f6\u00dfte und<br \/>\n\u00e4lteste Jungsteinzeitsiedlung Europas (7.250 &#8211; 5.000 v. Chr.) nach Schichten<br \/>\nuntersucht; auch hier geht die Entwicklung vom J\u00e4ger-Fischer- zum<br \/>\nBauern-Dorf, von der vorkeramischen zur Keramik-Kultur; dort fanden sich<br \/>\nReste eines Pflasterweges, einer &#8220;Stra\u00dfe&#8221;, die damit die \u00e4lteste Europas<br \/>\nw\u00e4re; und auf Tonverschl\u00fcssen fanden sich Marken und Zahlzeichen, die<br \/>\nEigent\u00fcmer und Inhalte von Vorratsgef\u00e4\u00dfen vermerkten; das w\u00e4ren dann die<br \/>\n\u00e4ltesten Vorl\u00e4ufer einer Schrift auf europ\u00e4ischem Boden in der Region des<br \/>\nalten Donau-Mega-Deltas &#8211; \u00fcber 1.500 Jahre \u00e4lter als die Schriftanf\u00e4nge in<br \/>\nSumer im Zweistromland. Diese neolithische Siedlung (\u00e4lter als Varna weiter<br \/>\ns\u00fcdlich ebenfalls an der Schwarzmeerk\u00fcste) ist ein Indiz, dass sich vor der<br \/>\nFlutung des angrenzenden Schwarzmeerbeckens bis 5.600 v. Chr. entsprechende<br \/>\nBauernd\u00f6rfer auch bis zur damaligen Donaum\u00fcndung 200 km weiter nach<br \/>\nNordosten erstreckten. Von dem \u00fcberfluteten Land ist nur die Schlangeninsel<br \/>\nvor dem heutigen Donau-Delta im Pontos sichtbar, mit 70 m wohl der damals<br \/>\nh\u00f6chste Kalkfelsen im Delta. (Diese fr\u00fche &#8220;Akropolis&#8221; war vielleicht schon<br \/>\nbei den Bandkeramikern mit einer Kultst\u00e4tte gekr\u00f6nt; die Griechen jedenfalls<br \/>\nerbauten dort sp\u00e4ter den Poseidon-Tempel von Leuke).<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit findet sich mit Lepenski Vir 600 km donauaufw\u00e4rts auf der<br \/>\nserbischen Seite des Donau-Durchbruchs auf dem Balkan eine Siedlung, deren<br \/>\nFlussfischer vom zus\u00e4tzlichen Jagen und Sammeln in den nahen W\u00e4ldern leben,<br \/>\ndenen also Ackerbau und Viehzucht fremd sind. Deren Sesshaftigkeit und die<br \/>\nDauerhaftigkeit des Dorfes sind durch die Fischgr\u00fcnde der Donau bestimmt,<br \/>\nnicht durch Aussaat und Ernte oder Viehzucht. Wegen der klimatisch bedingten<br \/>\nArtenarmut im feucht-kalten Europa gibt es auch keine Anzeichen eigener<br \/>\nlandwirtschaftlicher Entwicklung, anders als in Mesopotamien oder Pal\u00e4stina.<\/p>\n<p>Um 6.500 v. Chr. kommt der Webstuhl in der Levante am \u00f6stlichen Mittelmeer<br \/>\nin Gebrauch; Textilien mehr als Leder, Fell und Bast bestimmen die<br \/>\nProduktion von Kleidung. Stoffe und T\u00fccher befl\u00fcgeln den friedlichen<br \/>\nWarenaustausch und den Flu\u00df- und K\u00fcstenhandel an den ersten Markt- und<br \/>\nHafen-Pl\u00e4tzen in Vorderasien.<\/p>\n<p>Neolithische Bauern sind als Siedler ab etwa 6.500 v. Chr. nach Griechenland<br \/>\nin die \u00c4g\u00e4is vorgesto\u00dfen, zuerst bis nach Kreta (Knossos) und in die<br \/>\nfruchtbare Thessalische Ebene (Argissa), also rund ein Jahrtausend eher nach<br \/>\nS\u00fcd- als nach Nordeuropa. Dabei handelt es sich um den zuerst abwandernden<br \/>\nBev\u00f6lkerungs\u00fcberschuss der Siedlungen in Zentral-Anatolien und im pontischen<br \/>\nTieflandbecken s\u00fcdlich des Donau-Deltas, der \u00fcber Thrakien auf der Mariza<br \/>\n(dem Hebros) und dann an der \u00e4g\u00e4ischen K\u00fcste entlang einsickert und Ackerbau<br \/>\nmit Viehzucht nach und nach \u00fcber den ganzen mediterranen Raum nach S\u00fcdwesten<br \/>\nverbreitet. Die arch\u00e4ologisch gut erfasste Siedlung Karanovo (6.200 &#8211; 5.500<br \/>\nv. Chr.) in Bulgarien liegt auf dieser Route. Diese Bauern s\u00fcdlich der Donau<br \/>\nwaren nach ihrer relativ kurzen Wanderung noch &#8220;unverf\u00e4lschter anatolisch&#8221;<br \/>\nals die &#8220;indogermanischen Bandkeramiker&#8221; einige Jahrhunderte sp\u00e4ter n\u00f6rdlich<br \/>\nder Donau. Ihre fr\u00fchesten D\u00f6rfer bestanden nicht aus Holz, sondern aus<br \/>\nLehmziegelbauten (arabisch Tells bzw. t\u00fcrkisch H\u00f6y\u00fcks). &#8211; Die sp\u00e4ter von der<br \/>\nFlut aus dem Donau-Delta nach Europa vertriebenen Bandkeramiker hatten gro\u00dfe<br \/>\nFortschritte gemacht bez\u00fcglich der Herdenhaltung, Milchwirtschaft,<br \/>\nSaatzucht, Keramikherstellung, Holzverarbeitung und Bautechnik.<\/p>\n<p>Rund sieben Jahrtausende nach der Eiszeit ist der Salzwasser-Spiegel des<br \/>\nWeltmeeres wegen der Polkappen- und Gebirgs-Gletscherschmelzen um 120 m<br \/>\nangestiegen, so auch das Mittel- mit dem Marmara-Meer. Zun\u00e4chst stieg ab<br \/>\n12.500 v. Chr. der S\u00fc\u00dfwasserstand des Schwarzen Meeres durch die<br \/>\nmitteleurop\u00e4ischen Stromsysteme, die die n\u00f6rdlichen Gletscher entw\u00e4sserten,<br \/>\nschneller an als das Weltmeer, so dass der \u00dcberschu\u00df \u00fcber den Bosporus und<br \/>\ndie Dardanellen nach S\u00fcden ins Mittelmeer abfloss; allerdings kam der<br \/>\npontische Zustrom ins Stocken durch die nachhaltige Eisfreigabe von Nord-<br \/>\nund Ostsee sowie Nordatlantik und die Umkehrung der Entw\u00e4sserung<br \/>\neurop\u00e4ischer Str\u00f6me nach Norden; und durch die Trockenphase des Boreal, so<br \/>\ndass der Pegel des Pontos per Saldo um rund 100 m hinter dem des<br \/>\nMarmara-Meeres und der Dardanellen zur\u00fcckblieb. Als diese mediterranen<br \/>\nWassermassen, wie auch immer ausgel\u00f6st, nun ihrerseits durch das Urstromtal<br \/>\ndes Bosporus nach Norden tosten, f\u00fcllten sie das gesamte Schwarzmeerbecken<br \/>\nmit Salzwasser, so da\u00df sich dessen Fl\u00e4che in alle Richtungen ausdehnte, in<br \/>\nder ausladenden Ebene insbesondere nach Nordwesten, und Flora und Fauna<br \/>\nkippten. Die alten Strom-M\u00fcndungen versanken im Meer; wegen des langsam,<br \/>\naber nachhaltig zunehmenden Wasserstandes konnten die Menschen jedoch ihr<br \/>\nnacktes Leben retten: die meisten donauaufw\u00e4rts in Richtung Westen. Ihr<br \/>\nfruchtbares Acker- und Weideland jedoch waren endg\u00fcltig verloren, ihre<br \/>\nHolzh\u00fctten und Langh\u00e4user wurden durch die gegen den Uhrzeigersinn<br \/>\ngerichtete Str\u00f6mung und den Nordwestwind aus den Karpaten nach S\u00fcdosten<br \/>\nabgetrieben und strandeten am Fu\u00dfe des Ararat-Gebirgsmassivs. Die riesigen<br \/>\nDeltas um Donau und Don versanken, &#8220;die Str\u00f6me flossen r\u00fcckw\u00e4rts&#8221;, ihre<br \/>\nfruchtbaren M\u00fcndungs-Marschen und Sediment-Inseln verschwanden vor ihren<br \/>\nAugen im Salzmeer. Alles S\u00fc\u00dfwasserleben starb ab und sank auf den<br \/>\nMeeresgrund; in den tieferen Schichten ist das Schwarze Meer bis heute tot<br \/>\nund mit Faulgasen ges\u00e4ttigt.<br \/>\nDie Vertriebenen wussten durch ihre Handelsbeziehungen, dass es im Westen<br \/>\nfeuchte und teilweise gute B\u00f6den gab, vor Austrocknung und Flutung<br \/>\ngesch\u00fctzt, und noch nicht landwirtschaftlich genutzt. Dahin gingen sie nun &#8211;<br \/>\nnolens volens zun\u00e4chst auf den Balkan.<br \/>\nPitman und Ryan postulieren aufgrund ihrer empirischen Befunde vor Ort, dass<br \/>\nder Exodus um 5.600 v. Chr. innerhalb etwa eines Jahres stattfand, weil die<br \/>\n\u00dcberschwemmung durch den Bosporus-Engpass \u00fcber 300 Tage ben\u00f6tigte. Die<br \/>\nnachhaltige Vertreibung so vieler Menschen bzw. einer so dichten Bev\u00f6lkerung<br \/>\ndurch die Flut ist die einzige einleuchtende Erkl\u00e4rung f\u00fcr die massive und<br \/>\npr\u00e4gende Wanderung der bandkeramischen Kultur donauaufw\u00e4rts Richtung Rhein.<br \/>\nDie Ausbreitung des Schwarzen Meeres auf die doppelte Fl\u00e4che liefert sowohl<br \/>\nden Grund als auch die erforderliche Gr\u00f6\u00dfenordnung der indogermanischen<br \/>\nZentrifugalkr\u00e4fte donauaufw\u00e4rts bis zum Rhein und dar\u00fcber hinaus. Allerdings<br \/>\ngibt es zwei starke wissenschaftliche Gegenstr\u00f6mungen zu den Erkenntnissen<br \/>\nvon Pitman und Ryan. Eine ist der Versuch, den Zeitpunkt 5.600 v. Chr. zu<br \/>\nfalsifizieren und stattdessen ozeanographisch-geologisch auf 6.500 v. Chr.<br \/>\nzu verlegen. Die andere postuliert einen schleichenden \u00dcbergang in dem<br \/>\nZeitraum von bereits 7.400 bis 5.600 v. Chr. als Bandbreite. In diesem<br \/>\nZeitraum von 1.800 Jahren seien die \u00dcberflu\u00df-Verh\u00e4ltnisse mehrfach umgekehrt<br \/>\nund die Flutung des Pontos habe einen ganz langen Zeitraum in Anspruch<br \/>\ngenommen. (11.000 v. Chr. wie in der herk\u00f6mmlichen Literatur fordert aber<br \/>\nniemand mehr).<\/p>\n<p>5.600 v. Chr. kann nach allen theoretischen Diskussionen und geologischen<br \/>\nBefunden als das sp\u00e4teste Datum f\u00fcr das Umkippen von Flora und Fauna im<br \/>\nSchwarzmeerbecken fixiert werden. Wie schleichend oder schlagartig der<br \/>\nAusdehnungsproze\u00df des Salzwassers verlief, ist ozeanographisch-geologisch<br \/>\nnicht entschieden. Das naturwissenschaftlich zu pr\u00e4zisierende Datum steht<br \/>\nnoch aus. Das Faktum der Salzwasser-\u00dcberflutung selbst ist unstrittig. In<br \/>\nden Museen rund um das Schwarze Meer gibt es zahlreiche S\u00fc\u00dfwassermuscheln zu<br \/>\nbestaunen, die die Fischer als Beifang vom versunkenen Strand ans Tageslicht<br \/>\ngebracht haben. (Das ist ja auch am Persischen Golf der Fall, aus dem die<br \/>\nvorsumerische Bev\u00f6lkerung nach Norden vertrieben wurde). Und der Wechsel von<br \/>\nS\u00fc\u00df- und Salzwassermeer ist f\u00fcr die Ost- und Nordsee gut dokumentiert und<br \/>\nzeitlich exakt bestimmt.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei; arch\u00e4ologisch ist durch zahlreiche Funde nachgewiesen,<br \/>\ndass nach 5.600 v. Chr. in gro\u00dfer Zahl neolithische Gruppen nach<br \/>\nMitteleuropa vordringen, indem sie die Donau und ihre n\u00f6rdlichen Nebenfl\u00fcsse<br \/>\nsowie die nicht weit abseits quellenden Fl\u00fcsse nach Norden (Main zum<br \/>\nMittel-Rhein, Th\u00fcringische Saale zur Mittel-Elbe) nutzen. Nach S\u00fcdeuropa in<br \/>\nden Mittelmeerraum waren b\u00e4uerliche Vorfahren schon ab 6.500 v. Chr.<br \/>\ngezogen, aber nicht l\u00e4ngs der Donau, sondern an den Mittelmeerk\u00fcsten<br \/>\nentlang. Diese neue gr\u00f6\u00dfere Wanderungswelle besetzt nun den Bogen der<br \/>\nSchwarzerde-L\u00f6\u00dfb\u00f6den von der Ukraine bis zum Rhein (Saale-Unstrut, Goldene<br \/>\nAue (Vorland des Harzes), Magdeburger B\u00f6rde, Hellweg-B\u00f6rden, Hildesheimer<br \/>\nB\u00f6rde, Warburger B\u00f6rde, Soester B\u00f6rde, J\u00fclich-Z\u00fclpicher oder Erkelenzer<br \/>\nB\u00f6rde und auch den Kaiserstuhl.<\/p>\n<p>Wegen der mit Linien verzierten Tongef\u00e4\u00dfe spricht man von den (Linear) &#8211;<br \/>\nBandkeramikern. Ihre Rinder, Ziegen und Schafe gehen auf vorderasiatische<br \/>\nVorfahren zur\u00fcck, also z. B. nicht auf den europ\u00e4ischen Auerochsen; selbst<br \/>\ndie mitwandernden Sch\u00e4dlinge von Nutzpflanzen und Zuchtvieh stammen von<br \/>\ndort: Importe aus dem allerersten Zuchtgebiet von Saaten und Nutztieren:<br \/>\nAnatolien. Das Schwein in Europa ist dagegen eine Eigenz\u00fcchtung aus<br \/>\nheimischen W\u00e4ldern; die Domestikation vor Ort ist durch das soziale<br \/>\nRangordnungs-Verhalten in Rotten beg\u00fcnstigt, w\u00e4hrend eine Wanderung mit<br \/>\nSchweinen in Herdenform anders als bei Schafen, die man mit H\u00fctehunden<br \/>\nzusammenh\u00e4lt und von Eseln gegen W\u00f6lfe verteidigen l\u00e4sst, sehr anstrengend<br \/>\nist. In ihren abgeschlossenen Rotten gibt es die den Menschen nicht<br \/>\nunbekannte Hierarchie des Patriarchats.<br \/>\nDie Hebr\u00e4er und ihre Urahnen, die das Schwein schon um 6.500 v. Chr. in<br \/>\nJericho domestizierten, gaben bei der Aufnahme ihres halbnomadischen<br \/>\nW\u00fcstenlebens Sus Scrofa Domesticus als Nahrungsquelle, Opfertier und<br \/>\nTempelschmuck auf, ja sie \u00e4chteten es sogar in ihrem Kultus als unrein. Denn<br \/>\nin der W\u00fcste wird das Schwein, das sich im Wald selbst ern\u00e4hrt, zum<br \/>\nFressfeind des Menschen. (Dass der Teufel in Gerasa &#8220;jenseits des Sees<br \/>\nGenezareth&#8221; in eine &#8220;Legion&#8221; Schweine fahren konnte, verdankte der Exorzist<br \/>\nden unbeliebten griechischen &#8220;Ungl\u00e4ubigen&#8221; von Dekapolis, die dort seit<br \/>\nAlexander d. Gr. siedelten).<\/p>\n<p>Genetische Untersuchungen von bandkeramischen Grablegen in Europa<br \/>\nbest\u00e4tigen: Die erste b\u00e4uerliche Bev\u00f6lkerung ist aus der Gegend des<br \/>\nn\u00f6rdlichen Donau-Deltas \u00fcber den Balkan entlang der Donau und n\u00f6rdlich<br \/>\ndavon, nicht geradewegs &#8220;von Anatolien und der Levante&#8221; nach Mitteleuropa<br \/>\neingewandert, wie in der Fachliteratur zuweilen postuliert. Donau und Alpen<br \/>\nbilden eine deutlich sichtbare Grenze zwischen der 6.500 v. Chr. beginnenden<br \/>\nS\u00fcdeuropa- und der sp\u00e4teren Nordeuropa-Besiedlung 5.600 v. Chr. durch die<br \/>\nIndogermanen.<br \/>\nDie Bandkeramiker leben zun\u00e4chst ab 5.600 n. Chr. neben der europ\u00e4ischen<br \/>\nUrbev\u00f6lkerung der Fischer-J\u00e4ger-Sammler; sie bestatten ihre Verstorbenen<br \/>\nw\u00fcrdevoll in Erdgr\u00e4bern und sind um 5.000 n. Chr. von der mittleren Donau<br \/>\nund Weichsel bis zum Rhein und linksrheinisch bis zum Pariser Becken<br \/>\nverbreitet. W\u00e4hrend die mediterrane Wanderung ihrer Ahnen Jahrhunderte zuvor<br \/>\nnur mit 1 km p.a. vonstatten ging, ist hier die Geschwindigkeit der<br \/>\nb\u00e4uerlichen Wanderung 4 km p.a. (= 2.400 km\/600 Jahre). Das l\u00e4sst sich mit<br \/>\ndem gr\u00f6\u00dferen Druck erkl\u00e4ren, der durch die Flut ausge\u00fcbt wurde, sowie der<br \/>\nTatsache, dass jeweils &#8220;Spr\u00fcnge&#8221; erforderlich waren zwischen den verstreuten<br \/>\n&#8220;L\u00f6\u00df-Boden-Inseln&#8221; im ansonsten dichten europ\u00e4ischen Wald. Die neolithischen<br \/>\nBauern waren sehr findig im Aufsp\u00fcren der geeigneten<br \/>\nL\u00f6\u00df-Schwarzerde-Sediment-B\u00f6den, die sich wegen der postglazialen Winde und<br \/>\nder Bergfl\u00fcsse regelm\u00e4\u00dfig an den H\u00e4ngen der Mittelgebirge finden, etwa an<br \/>\nden Harz-Fl\u00fcssen Bode (Magdeburger B\u00f6rde), Unstrut-Saale (Goseck,<br \/>\nObservatorium 4.900 v. Chr.) und Helme (Goldene Aue, warmes Klima, L\u00f6\u00df)<br \/>\nzwischen S\u00fcdharz und Kyffh\u00e4user und am Haarstrang in der fruchtbaren Soester<br \/>\nB\u00f6rde.<br \/>\nDa die Flutvertriebenen ihre Herden und ihr Saatgut rechtzeitig aufs<br \/>\nTrockene bringen konnten, mussten sie sich angesichts der gro\u00dfen Anzahl von<br \/>\nMensch und Tier an der K\u00fcste sofort landeinw\u00e4rts in Bewegung setzen, Herden<br \/>\nund Familienverb\u00e4nde einteilen und m\u00f6glichst ferne Weide- und Ackerfl\u00e4chen<br \/>\nvor den anderen Clans erreichen. Ein Verharren oder z\u00f6gerlicher Abtrieb der<br \/>\nHerden h\u00e4tte alle Beteiligten nach dem Verlust ihrer Behausungen in<br \/>\nHungersnot gebracht. Aus der Situation heraus musste zwangsl\u00e4ufig eine Art<br \/>\nWettrennen um die besten Pl\u00e4tze entstehen, wenn alle \u00fcberleben und eine<br \/>\nZukunft haben wollten. Je schneller sich die Gruppen in der Westbewegung<br \/>\nvoneinander absetzen und auch nach Norden zerstreuen konnten, desto gr\u00f6\u00dfer<br \/>\nwaren die \u00dcberlebens- und Entwicklungs-Chancen f\u00fcr alle Beteiligten. Da es<br \/>\nim wohlhabenden Donau-Delta sicherlich schon eine Art indogermanisches<br \/>\nK\u00f6nig- und Hohepriestertum gab, jedenfalls eine gesellschaftliche<br \/>\nF\u00fchrungsperson oder einen Rat, k\u00f6nnte die Wanderung der Vertriebenen sogar<br \/>\nbis zu einem gewissen Grade organisiert worden sein.<br \/>\nDas ig. Verb *rek- f\u00fcr (an)ordnen hat sich jedenfalls im lat. Substantiv<br \/>\nRex und im kelt. Rix, aber auch im Gotischen gehalten. Zur Organisation<br \/>\ngeh\u00f6rte dann sicherlich die Bauholz-Zuteilung f\u00fcr Frachtk\u00e4hne und Boote zum<br \/>\nTransport von Mensch, Tier und Frachtgut.<br \/>\nDer Kaiserstuhl mit seinen L\u00f6\u00df-Sedimenten ist ein weiteres fruchtbares<br \/>\nAnbaugebiet mit den meisten Sonnenstunden in Deutschlands Westen. Dort<br \/>\nwurden am Ufer eines (inzwischen versiegten) Baches mit S\u00fcdhanglage (in der<br \/>\nGemeinde Vogtsburg) mehrere Bauernh\u00e4user mit einem Baudatum zwischen 5.500<br \/>\nund 5.000 v. Chr. gefunden: jeweils 8 m breit und \u00fcber 30 m lang. Die<br \/>\nzeitliche Festlegung erfolgte nach den Funden von Bandkeramik. Au\u00dferdem<br \/>\nwurden Geschirr, kleine und gro\u00dfe Vorratsgef\u00e4\u00dfe sowie Feuerstein-Werkzeuge<br \/>\nentdeckt. Diese Bauern bauten Getreide an und z\u00fcchteten Vieh, verf\u00fcgten aber<br \/>\nnoch nicht \u00fcber Metalle. Vielleicht kamen sie besonders schnell in nur 100<br \/>\nJahren \u00fcber 1.500 km bis zum Rhein, weil sie einfach der Donau bis zu ihren<br \/>\nQuellen flussaufw\u00e4rts folgten, ohne sich irgendwo lange aufzuhalten.<br \/>\nWahrscheinlich gab es aufgrund bestehender Donau-Handelsbeziehungen schon<br \/>\nVorkenntnisse \u00fcber die Bodenqualit\u00e4t und das Klima im &#8211; durch die Vogesen<br \/>\nvor Westwind gesch\u00fctzten &#8211; Kaiserstuhl. Ein solches Fernziel konnte in<br \/>\npatriarchalischen Clans wohl \u00fcber die erforderliche Generationen-Abfolge<br \/>\nweitergegeben werden, wenn man das organisatorische Geschick der Anatolier<br \/>\nin Catal H\u00f6y\u00fck und der Indogermanen vom Donau-Delta in Rechnung stellt.<\/p>\n<p>Da abrupte Klimaver\u00e4nderungen in S\u00fcdosteuropa zu dieser Zeit als Ausl\u00f6ser<br \/>\nder Wanderung \u00fcber den Balkan empirisch ausgeschlossen werden k\u00f6nnen, gibt<br \/>\nes keinen einleuchtenden Grund f\u00fcr eine so gewaltige Auswanderungswelle in<br \/>\nackerbaulich und klimatisch weniger beg\u00fcnstigte Zonen n\u00f6rdlich der Donau.<br \/>\nAuch gibt es bisher keinen arch\u00e4ologischen Befund f\u00fcr die Entwicklung der<br \/>\nBandkeramik und der Kastenbrunnen in Anatolien und auf dem Balkan. Von der<br \/>\nUrzelle der bandkeramischen Kultur findet sich bisher keine arch\u00e4ologische<br \/>\nSpur; es gibt nur Vermutungen, keine direkten Zeugnisse &#8211; au\u00dfer Durankulak<br \/>\nam Rande des Donau-Deltas hart an der heutigen Westk\u00fcste des Schwarzen<br \/>\nMeeres. Die Umgestaltung der Erdoberfl\u00e4che unter den Augen der Menschheit<br \/>\nhat die meisten Beweise vernichtet; das hei\u00dft aber nicht, dass es \u00fcberhaupt<br \/>\nkeine mehr gibt und dass man sie in der Forschung ignorieren kann &#8211; nach dem<br \/>\nMotto: Was ich nicht sehen kann, das gibt es nicht.<br \/>\n\u00dcberm\u00e4\u00dfiger Bev\u00f6lkerungsdruck ist f\u00fcr die indogermanische Wanderung (der<br \/>\nBandkeramiker) auszuschlie\u00dfen, denn dieser wurde ja seit 6.500 v. Chr.<br \/>\nnachhaltig durch die mediterrane Ansiedlung im klimatisch beg\u00fcnstigten<br \/>\nS\u00fcdeuropa abgebaut. Die dichten W\u00e4lder in Mitteleuropa, die wenigen Inseln<br \/>\nfruchtbarer B\u00f6den und die schon vorhandenen Fischer-J\u00e4ger-Sammler-D\u00f6rfer an<br \/>\nden europ\u00e4ischen Fl\u00fcssen mit den besten Fischgr\u00fcnden waren doch vollst\u00e4ndig<br \/>\nabschreckend: Nur ein noch gr\u00f6\u00dferer Schrecken in ihrem R\u00fccken konnte sie<br \/>\nnach Westen (und Norden) in so gro\u00dfer Zahl in Bewegung setzen. Jedes Jahr<br \/>\nmussten sie auf mehr oder minder geeigneten B\u00f6den auss\u00e4en und ernten und<br \/>\ndann als Bauern und Wanderhirten wieder ihre Zelte abbrechen und mit ihren<br \/>\nHerden weiter ziehen, sobald der vor\u00fcbergehend genutzte Boden ersch\u00f6pft war,<br \/>\num endlich fruchtbares Ackerland zu erreichen und zu besetzen.<br \/>\nAnders als die Mittelmeerwanderung ihrer Ahnen im Jahrtausend zuvor war<br \/>\ndiese Massenbewegung nicht durch besondere Attraktion und nur etwas Druck,<br \/>\nsondern durch einen unausweichlichen Zwang erzeugt. Es handelte sich um<br \/>\ngewaltsam Vertriebene, nicht um voreilige Fl\u00fcchtlinge vor drohenden Gefahren<br \/>\noder um Abenteurer in so gro\u00dfer Zahl. Eine ganze Population machte sich auf<br \/>\nden Weg, weil ihre Heimat nicht mehr existierte, denn sonst h\u00e4tte man Spuren<br \/>\nder Zur\u00fcckgebliebenen (wie in Catal H\u00f6yuk) finden m\u00fcssen.<br \/>\nDie Diskussion, ob vielleicht nur das Wissen auf Wanderschaft ging, zum Teil<br \/>\nverk\u00f6rpert in Saatgut und Jungvieh, hat sich inzwischen dadurch erledigt,<br \/>\ndass genetische Untersuchungen den Zuzug aus dem Osten nicht nur f\u00fcr das<br \/>\nVieh, sondern auch f\u00fcr die Menschen best\u00e4tigt haben, die in Europa zun\u00e4chst<br \/>\nin der Minderheit waren und sich anfangs nicht vermischten.<br \/>\nDass die kulturell h\u00f6her stehenden und wohlhabenden europ\u00e4ischen Bauern aus<br \/>\ndem Nordwestbecken des Schwarzen Meeres vertrieben wurden, darauf weisen<br \/>\nauch Befunde von Hans Eiberg von der Universit\u00e4t Kopenhagen hin (Human<br \/>\nGenetics, Kopenhagen 2008): Die Mutation der Regenbogenhaut von braun zu<br \/>\nblau durch Umpigmentierung der Iris des menschlichen Auges konnte er<br \/>\nnordwestlich des heutigen Schwarzen Meeres (geographisch um Odessa)<br \/>\nlokalisieren: zwischen 10.000 und 6.000 v. Chr. &#8211; in Unkenntnis der<br \/>\nnachmaligen \u00dcberschwemmung des gesamten Tieflandes von der Krim bis<br \/>\nIstanbul. Insofern erreichte er die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche \u00f6rtliche Ann\u00e4herung an das<br \/>\nversunkene Mutations-Zentrum.<br \/>\nUm 6.500 v. Chr. entwickelten die neolithischen Bauern um das Schwarze Meer<br \/>\nbzw. auch in dem versunkenen Gebiet des Donau-Deltas ihre<br \/>\nKuhmilch-Vertr\u00e4glichkeit durch &#8220;Aktivierung des Laktose-Gens&#8221; (Richard<br \/>\nEvershed, University of Bristol, in: Nature, London 2008). Asiaten,<br \/>\nAfrikaner und Uramerikaner leiden bis heute unter der sog.<br \/>\nLaktose-Intoleranz, so dass sie Schaf-, Ziegen-, Kamel-, Pferde-, Esels-,<br \/>\nLama-Milch der Kuh-Milch vorziehen; oder sie verzehren K\u00e4se, weil dabei das<br \/>\nProblem der Kohlehydrat-Zerlegung bzw. der Milchzucker-Verdauung nicht<br \/>\nauftritt. Die nach Westen vordringenden Rindviehz\u00fcchter waren also<br \/>\ngewappnet, nicht aber die Wildbeuter in Europa. W\u00e4hrend Kinder aller<br \/>\nKulturen nach dem S\u00e4uglingsalter das Laktose-Gen deaktivieren, weil sie es<br \/>\nf\u00fcr die Muttermilch nicht mehr ben\u00f6tigen, geschieht das bei den S\u00f6hnen und<br \/>\nT\u00f6chtern der Bandkeramiker nicht mehr, weil sie nahtlos auf Kuhmilch<br \/>\numstellen.<\/p>\n<p>Auch die Ackerbauern l\u00f6sten ihr Verdauungs-Problem: Die Mitgift der<br \/>\n&#8220;Aktivierung des Amylase-Gens&#8221; verdanken &#8220;die Europ\u00e4er&#8221; den bandkeramischen<br \/>\nNeolithikern des Nahen Ostens, den Indogermanen. Denn mit dem Anbau und<br \/>\nVerzehr von Getreide ben\u00f6tigten die Menschen ein Enzym zur Aufspaltung von<br \/>\nSt\u00e4rke, das sie dann tats\u00e4chlich im Speichel und der Bauchspeicheldr\u00fcse<br \/>\nvermehrt bilden konnten (&#8220;Evolution des Menschen am Kochtopf&#8221;).<\/p>\n<p>Allerdings konnten diese genetischen Anpassungsleistungen nicht verhindern,<br \/>\ndass Europ\u00e4er zuweilen beim Verzehr von Getreide-, insbesondere<br \/>\nWeizen-Produkten unter der sog. Gluten-Unvertr\u00e4glichkeit leiden (Z\u00f6liakie) &#8211;<br \/>\nund einige bis heute an der Laktose-Intoleranz. Das k\u00f6nnte an dem Erbgut der<br \/>\ndamals schon in Europa ans\u00e4ssigen J\u00e4ger, Fischer und Sammler liegen.<\/p>\n<p>Auf einem Gebiet, das sich vom Balkan bis nach Frankreich erstreckt, hat<br \/>\nsich die erste b\u00e4uerliche Kultur auf L\u00f6\u00df-, Sediment-, Marschen- und<br \/>\nSchwarzerde-B\u00f6den \u00fcber Europa nach Nordwesten verbreitet &#8211; ohne eine<br \/>\nMitwirkung der ans\u00e4ssigen Ureurop\u00e4er, aber auch ohne deren Widerstand.<br \/>\nOffensichtlich kamen die Zugezogenen den Alteurop\u00e4ern bei ihren Fisch- und<br \/>\nJagdgr\u00fcnden in Fl\u00fcssen und W\u00e4ldern nicht ins Gehege, wenn sie sich auf den<br \/>\n(waldfreien) L\u00f6\u00df- und Marschenb\u00f6den niederlie\u00dfen.<br \/>\nNach der typischen Verzierung der verwendeten Tongef\u00e4\u00dfe mit eckigen, spiral-<br \/>\noder wellenf\u00f6rmigen Linienmustern wird die neue Kultur die &#8220;Bandkeramische<br \/>\nKultur&#8221; genannt. Sie kommt aus dem S\u00fcdosten von der Donaum\u00fcndung wie die<br \/>\n&#8220;Indogermanische Sprache&#8221;, die seitdem Europa pr\u00e4gt (Francois Bertemes,<br \/>\nUniv. Halle-Wittenberg, in: National Geographic, M\u00e4rz 2007, S. 47).<\/p>\n<p>In Europa auf den besten B\u00f6den leben also indogermanische Familien bzw.<br \/>\nClans in mehr als 20 m langen Holzh\u00e4usern, errichten 15 m tiefe viereckige<br \/>\nKastenbrunnen aus sorgf\u00e4ltig behauenen und verzapften Eichenbohlen,<br \/>\nbewirtschaften L\u00f6\u00df- und Schwarzerde-Felder und beweiden Flu\u00dfauen und<br \/>\nMarschen.<br \/>\n32 bandkeramische Holzbrunnen wurden inzwischen ergraben, zumeist bei<br \/>\nTiefbauma\u00dfnahmen und in Tagebausch\u00e4chten f\u00fcr Braunkohle. Die Idee des<br \/>\nKastenbrunnens ist mit den indogermanischen Ackerbauern und Viehz\u00fcchtern<br \/>\n\u00fcber den Balkan nach Westeuropa gekommen. Da die Siedlungen regelm\u00e4\u00dfig an<br \/>\nFl\u00fcssen und Seen angelegt wurden, also kein Mangel an Frischwasser bestand,<br \/>\nwird vermutet, dass es sich bei den aufwendig und sorgf\u00e4ltig erbauten<br \/>\nGrundwasser-Brunnen um Kultst\u00e4tten handelt: vielleicht Weihwasser f\u00fcr<br \/>\n&#8220;Mutter Erde&#8221;, zu bestimmten Zeiten zu versprengen, und Taufwasser f\u00fcr<br \/>\nInitiationsrituale. Der \u00e4lteste Brunnen in Slavonski Brod (Kroatien) ist von<br \/>\n6.000 v. Chr., dann folgt ein Brunnen in M\u00e4hren (Tschechien) von 5540, der<br \/>\nBrunnen am Flughafen Leipzig\/Halle (Sachsen: Elsternebenflu\u00df der Saale)<br \/>\nstammt von 5.196, der von Erkelenz-K\u00fcckhoven (NRW) von 5.090 v. Chr.; die<br \/>\nmeisten Brunnensch\u00e4chte sind um 5.100 v. Chr. entstanden. Ihr Alter l\u00e4sst<br \/>\nsich ziemlich exakt feststellen, weil die Baumringe der Eiche in Europa<br \/>\ndendrochronologisch durchg\u00e4ngig erfasst sind und der jeweilige Baubeginn<br \/>\nsicherlich mit der F\u00e4llung der B\u00e4ume gegeben ist.<\/p>\n<p>Der aus dem Zeitraster fallende kroatische Kastenbrunnen an der Adria l\u00e4sst<br \/>\nsich nur mit der fr\u00fcheren Levante-Wanderung ab 6.500 v. Chr. erkl\u00e4ren. Von<br \/>\ndort sind die Bandkeramiker aber nicht nach Norden gezogen, darin sind sich<br \/>\nalle Wissenschaftler einig. Also m\u00fcssen die Brunnen im Norden und dieser<br \/>\nfr\u00fchere Brunnen im S\u00fcden auch derselben Vor- bzw. Zwischen-Kultur<br \/>\nentsprungen sein, aber nicht direkt aus der Levante oder speziell aus<br \/>\nAnatolien, sondern vom westlichen Schwarzmeer-Ufer. Denn das Verarbeiten von<br \/>\nHolz lernten die anatolischen Nachkommen erst im Donau-Delta w\u00e4hrend der<br \/>\nHerausbildung der gemeinsamen indogermanischen Sprache von zugezogenen<br \/>\nAnatoliern und schon dort ans\u00e4ssigen Europ\u00e4ern.<br \/>\nNicht nur handwerklich, auch k\u00fcnstlerisch sind die Bandkeramiker begabt. In<br \/>\nNeukyhna-Zschernitz (Sachsen) findet sich ein geschnitzter m\u00e4nnlicher Torso,<br \/>\nder &#8220;Adonis von Zschernitz&#8221; von 5.100 v. Chr.<br \/>\nUnd Ritzungen auf verschiedenen Materialien lassen ansatzweise die Idee von<br \/>\nschriftlicher Kommunikation mit ersten Zahlzeichen und Bilderschrift<br \/>\nerkennen &#8211; wie schon in Durankulak an der bulgarischen Schwarzmeerk\u00fcste.<\/p>\n<p>Schon die &#8220;indogermanischen Bandkeramiker&#8221; am Ufer des Schwarzen Meeres<br \/>\nbzw. im versunkenen Schwarzmeerbecken verf\u00fcgten wohl \u00fcber Zeichen und<br \/>\nSymbole zur vereinfachten schriftlichen Kommunikation: \u00fcber selbsterkl\u00e4rende<br \/>\nIcons (Haarmann, 2003).<\/p>\n<p>Ab 5.000 v. Chr. ger\u00e4t die (linear-)bandkeramische Kultur der<br \/>\nindogermanischen Bauern in eine schwere Krise, nicht aber ihre Sprache, die<br \/>\nsich durchsetzt. Ganze D\u00f6rfer werden gewaltsam ausgel\u00f6scht. Es sind wohl die<br \/>\nzahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegenen Ureinwohner aus den Flu\u00dfauen und W\u00e4ldern, die sich<br \/>\nschnell das b\u00e4uerliche Wissen aneignen und dann den Zugezogenen ihre B\u00f6den<br \/>\nnehmen. Denn die Langh\u00e4user der Stichbandkultur in der Hildesheimer B\u00f6rde in<br \/>\nNordstemmen-R\u00f6ssing und in der Soester B\u00f6rde in Hidddingsen stehen auf dem<br \/>\nfruchtbaren Schwarzerde-L\u00f6\u00df-Boden, den die indogermanischen Bauern ausfindig<br \/>\ngemacht hatten, und ihre Bauten sind nach demselben Holzbau-Plan errichtet<br \/>\nwie die der Bandkeramiker: Sogar in den Ma\u00dfen gleich.<br \/>\nNach dem Zusammenbruch dieser \u00e4ltesten b\u00e4uerlichen Kultur in Mitteleuropa<br \/>\ngestalten sich die Verh\u00e4ltnisse grundlegend neu.<br \/>\nEs folgt zun\u00e4chst die R\u00f6ssener Kultur, benannt nach einer Fundst\u00e4tte in<br \/>\nLeuna-R\u00f6ssen an der Saale. Dieser Kultur geh\u00f6rt z. B. ein Langhaus in der<br \/>\nfruchtbaren Soester B\u00f6rde in Westfalen um 5.000 n. Chr. in Hiddingsen in der<br \/>\nBauerschaft Deiringsen-Ruploh an. Es ist 16 m lang, 8 m breit (vgl. Vogtburg<br \/>\nim Kaiserstuhl) und 8 m hoch (mit Dachboden: Giebelh\u00f6he). Das Haus ist \u00fcber<br \/>\neinen Holzrahmen als Tragwerk konstruiert, das Dach mit Reet gedeckt.<\/p>\n<p>Etwa 4.000 &#8211; 2.000 v. Chr. folgt in Europa die &#8220;Megalithkultur&#8221;, die sich<br \/>\nwohl aus diversen Kulturgruppen speist und Gro\u00dfsteinbauten errichtet,<br \/>\ndarunter Steingr\u00e4ber und steinerne Kultanlagen etwa in D\u00e4nemark, Schweden,<br \/>\nder Iberischen Halbinsel sowie auf den Britischen Inseln. Auf senkrecht<br \/>\naufgerichtete, tonnenschwere Felsbl\u00f6cke werden waagerechte Decksteine<br \/>\ngehievt. Vermutlich werden die Bauten auch als Opferpl\u00e4tze und Observatorien<br \/>\ngenutzt.<br \/>\nDas wohl bekannteste Megalithbauwerk wird um 2.100 v. Chr. zum Ende dieser<br \/>\nKultur vollendet: &#8220;Stonehenge&#8221; in S\u00fcdengland.<\/p>\n<p>Ein sehr viel \u00e4lteres &#8220;Woodhenge&#8221; gibt es mit Goseck in Sachsen-Anhalt bei<br \/>\nNaumburg, wo die Unstrut (vom Harz) in die Th\u00fcringische Saale (aus dem<br \/>\nFichtelgebirge) m\u00fcndet. Dieses inzwischen rekonstruierte neolithische<br \/>\nObservatorium von 4.900 v. Chr. mit 70 m Durchmesser und drei<br \/>\nPalisadenringen entstand im \u00dcbergang von der Linearband-Keramik zur<br \/>\nStichband-Kultur (R\u00f6ssen ist nur wenige km entfernt), sp\u00e4ter als die<br \/>\nKastenbrunnen der indogermanischen Einwanderer: Rund 1 km entfernt in der<br \/>\nOrtschaft Goseck sind Arch\u00e4ologen auf die \u00dcberreste eines neolithischen<br \/>\nDorfes der Linearbandkeramik von 5.000 v. Chr. gesto\u00dfen.<br \/>\nF\u00fcnf h\u00f6lzerne Palisadenringe bilden auch das Heiligtum der<br \/>\nstichband-keramischen Kultur von Quenstedt am \u00f6stlichen Harzabhang (s\u00fcdlich<br \/>\nvon Aschersleben auf Magdeburger B\u00f6rdeboden) in Sachsen-Anhalt. Sein<br \/>\nDurchmesser betr\u00e4gt 100 m. Die Ringe dienten um 4.800 v. Chr. zugleich als<br \/>\n&#8220;Kalender&#8221;, denn ihre Torfluchten markierten wichtige Jahrestermine im<br \/>\nb\u00e4uerlichen Leben von Aussaat und Ernte.<br \/>\nSicherlich konnten hier die \u00fcberkommenen Erfahrungen der Bandkeramiker auch<br \/>\nvon den nachfolgenden Kulturen genutzt und weiter entwickelt werden &#8211; vom<br \/>\nHausbau bis hin zur Himmels-Scheibe von Nebra in der Bronzezeit (1.600 v.<br \/>\nChr.) ebenfalls an der Unstrut.<br \/>\nWegen des fruchtbaren L\u00f6\u00dfbodens, nicht zu trocken und nicht zu nass,<br \/>\nzwischen Harz und Elbe, an Bode und Saale, Unstrut und Helme (in der<br \/>\nGoldenen Aue) siedelten dort schon ab 5.500 v. Chr. die Bandkeramiker. Ihre<br \/>\nH\u00e4user waren bis zu 50 m lang und 10 m breit, nach Sippen getrennt. Die<br \/>\nSiedlungen lagen hochwassersicher an den Terrassenkanten der Fl\u00fcsse,<br \/>\ngesch\u00fctzt durch meterhohe Palisaden.<br \/>\nMit ihrem Wissen befruchteten sie Europa, mit ihren Pflanzen- und<br \/>\nTier-Z\u00fcchtungen bereicherten sie den Westen. Die Fr\u00fcchte daraus pflanzten<br \/>\nsich im wahrsten Sinne des Wortes \u00fcber die Kulturwechsel und<br \/>\nV\u00f6lkerwanderungen bis heute fort, auch wenn ihr genetischer Anteil an der<br \/>\neurop\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung gering ist. Indogermanisch lebt fort in fast allen<br \/>\neurop\u00e4ischen Sprachen, unabh\u00e4ngig von Blutsverwandtschaften und genetischer<br \/>\nHerkunft, insbesondere in der Neuen Welt.<\/p>\n<p>Ex oriente lux.<\/p>\n<p>Barraclough, G. (Ed.), The Times Atlas of World History, London 1991.<\/p>\n<p>Beazley, M. (Ed.), The Joy of Knowledge, London 1977.<\/p>\n<p>Bertemes, F., Die Kreisgrabenanlage von Goseck: Ein Beispiel f\u00fcr fr\u00fche<br \/>\nHimmelsbeobachtungen, in: W. Menghin (Hrsg.), Astronomische Orientierung und<br \/>\nKalender in der Vorgeschichte, Berlin 2008, S. 7 &#8211; 14.<\/p>\n<p>Burger, J.,Forster, P., Mitochondrial Haplotype N1a, Science 7\/2004.<\/p>\n<p>Gray, R., Atkinson, D., Language-tree divergence times support the Anatolian<br \/>\ntheory of Indo-European origin, Nature Vol. 426\/2003, pp. 435 ff.,<\/p>\n<p>Haarmann, H., Geschichte der Sintflut &#8211; auf den Spuren der fr\u00fchen<br \/>\nZivilisationen, M\u00fcnchen 2003.<\/p>\n<p>L\u00fcning, J., Grundlagen sesshaften Lebens, in: &#8220;Germanica&#8221;, Stuttgart 2006,<br \/>\nS. 110 &#8211; 139.<\/p>\n<p>Rollo, F., Mitochondrial Haplotype K1 &amp; K2 and the Glacier Man, Univ. of<br \/>\nCamerino, 10\/2008.<\/p>\n<p>Schmidt, K., G\u00f6bekli Tepe (Urfa, Anatolien), Hamburg 2006.<\/p>\n<p>Taberlet, P., Domestic Goats out of East Anatolia, DNA Analysis of the<br \/>\nJoseph Fourier Univ. of Grenoble, in: Proceedings of the US Academy of<br \/>\nSciences, 10\/2008.<\/p>\n<p>Zangger, E., Die Zukunft der Vergangenheit &#8211; Arch\u00e4ologie im 21. Jh., M\u00fcnchen<br \/>\n1998.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Prof. Dr. S. G. Schoppe<\/p>\n<p>Univ.-Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe<br \/>\nUniversit\u00e4t Hamburg &#8211; Fakult\u00e4t 02 WiSo<br \/>\nInstitut f\u00fcr Wirtschaftssysteme, Wirtschafts- und Theoriegeschichte<br \/>\nMax-Brauer-Allee 60, D-22765 Hamburg<\/p>\n<p>Fernsprecher: +49 40 428 38 &#8211; 55 48<br \/>\nmobile phone: 0171 204 65 05<br \/>\nFax: +49 40 428 38 &#8211; 61 15<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"v-InboxFooterContainer\">\n<div class=\"c-PageFooter Unselectable\">\n<table class=\"uxp_ftr_control t_fbgc\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"uxp_ftr_left t_lnksi\"><span style=\"color: #666666;\">\u00a0<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"RightRailContainer\" class=\"c-RightRail RightRailContainerWidth t_sbgc\">\n<div id=\"RadAd_Skyscraper\" class=\"RightRailContent\">\n<div id=\"adbarContainer\">\n<div class=\"adBar container\">\n<div class=\"innerContainer\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"adBarLoading\"><\/div>\n<div class=\"footer\">\n<div 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Chr. aus dem Donau-Delta Ab 12.500 v. Chr. (im Azilien, der letzten mesolithischen Kulturstufe) wird es in Europa rasch w\u00e4rmer und feuchter. Die Gletscher von Skandinavien und den Alpen ziehen sich zur\u00fcck und gigantische Wassermassen werden vom Eis entbunden, so dass neue Flusssysteme, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[5322],"tags":[],"class_list":["post-26229","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-archive"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26229","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26229"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26229\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64879,"href":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26229\/revisions\/64879"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26229"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26229"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/atlantipedia.ie\/samples\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26229"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}